Vereinigung
Christlicher Unternehmer
der Schweiz
Respekt - Fairness - Verantwortung

Berichte

Energiepolitik - wie weiter?

Der weltweite Verbrauch von Primärenergie nimmt mit der wachsenden Bevölkerung ständig zu. Eine sichere, wirtschaftliche Energieversorgung ist die Grundlage für eine gesunde Volkswirtschaft und für den Wohlstand der Menschen. «Für die Umwandlung von Primärenergie in elektrische Energie stehen uns verschiedene Technologien zur Verfügung. Es geht darum, eine sichere, wirtschaftliche, umweltschonende Lösung zu finden». So Edwin Somm, vormaliger CEO der ABB Schweiz und ausgewiesener Energiefachmann, an einer Veranstaltung der VCU Aargau/Solothurn.

Dipl. Masch.-Ing. ETH Edwin Somm …

… stiess unmittelbar nach dem Studium zur damaligen BBC. Er verbrachte in diesem Unternehmen sein eigentliches Berufsleben und absolvierte eine bemerkenswerte Karriere bis hin zum CEO der ABB Schweiz und zum VR des ABB-Konzerns. Somm zählt zu den erfahrensten Exponenten der Maschinen- und Elektroindustrie unseres Landes und ist bekannt für eine offene und gradlinige Meinung. Im Zentrum seines Referates stand die künftige Energieversorgung unseres Landes unter dem Aspekt der Energiestrategie 2050 des Bundes.

Energiesparmassnahmen – gut oder nur gut gemeint?

«Uns allen ist der zu hohe Energieverbrauch bewusst. Das Klimaproblem ist mittlerweile eine akzeptierte Tatsache. Tatsache ist auch, dass wir dies mit einer Reduktion des CO2 bekämpfen wollen. Das ist zwar positiv, aber diese Reduktion muss am richtigen Ort passieren», mahnte Somm. So zählen China, Indien, Russland und Brasilien zu den heute grössten CO2-Produzenten, und gemäss dem Pariser Klimaabkommen dürfen sie diese noch ausweiten. Die Schweiz hingegen, die ohnehin schon absolut sauberen Strom produziert, soll ihre CO2-Emissionen noch weiter reduzieren. Dabei spielt die Schweiz – weltweit gesehen – mit nur 0,5 Prozent des weltweiten Primärenergieverbrauches eine verschwindende Rolle. Das ist, so Somm, eine verkehrte Welt. Er plädiert dafür, dieses Geld sinnvollerweise dort zu investieren, «wo es tatsächlich etwas bringt». So wäre es beispielsweise viel nützlicher, damit die grossen Braunkohlekraftwerke in Indien und China mit umweltschonender Technologie nachzurüsten; die Verfahren sind seit langem bekannt und erprobt. Bemerkenswert ist auch, dass in der ganzen CO2-Diskussion Auto- und Luftverkehr immer wieder ausgeklammert werden.

Woher soll künftig der Strom kommen?

Bis zum Jahr 2050 sollen gemäss der bundesrätlichen Strategie der Endenergieverbrauch um 54 % und der Stromverbrauch um 18 % reduziert werden. Das primäre Ziel dieser Strategie ist der Ausstieg aus der Kernenergie. Deutschland und die Schweiz sind weltweit die einzigen Staaten, die diesen Schritt vollziehen. Der bisher in unseren KKW’s produzierte Strom soll künftig durch erneuerbare Energiequellen wie primär Wind und Sonne, aber auch durch importierten Kohlestrom (!) ersetzt werden. Als Lieferanten dieses Kohlestroms werden Deutschland, Frankreich und Italien genannt. Schon jetzt zeichnet sich aber ab, dass allein Deutschland im Winter 2019/20 soviel Strom importieren muss, wie im KKW Gösgen produziert wird; im Winter 24/25 soll dieser Import gar auf das Achtfache ansteigen. Wir rechnen also mit der Stromlieferung aus Deutschland, während gleichzeitig den Deutschen der Strom ausgeht. Somm: «Diese Rechnung wird nicht aufgehen». Sollten künftig Stromengpässe eintreten, hat der Bundesrat konkrete Zwangsmassnahmen geplant. «Das ist Kriegswirtschaft und würde unsere Wirtschaft, Gewerbe und Industrie nachhaltig schädigen». Wirtschaft und Unternehmer sollten heute Einfluss auf ihre Parlamentarier nehmen, damit die Weichen für morgen richtig gestellt werden.

Speichertechnologien und Kernfusion als Heilsmittel?

Viel klüger wäre es gemäss Somm, die saisonale Stromversorgung auf gesunde Beine zu stellen und mit einer liberaleren Energiepolitik Anreize zu schaffen, die private Investoren wieder zum Bau von Kraftwerken motivieren. Und es gilt, die bestehenden Speicherseen als «Saison-Batterien» konsequent zu schützen und zu bewirtschaften. Mittelfristig sieht Somm hohen Bedarf in der Forschung für eine zweckmässigere saisonale Versorgung und Speichertechnologien. »Schon heute wird z.B. in Deutschland der im Sommer massenhaft anfallende, überschüssige Strom in der Heizung von Eisenbahnweichen buchstäblich verbrannt, denn es fehlen Speichermöglichkeiten und Ueberland-Stromleitungen in die Zentren – das ist doch ein Irrsinn», so Somm. Grosse Hoffnungen ruhen langfristig in der Kernfusionsforschung. Die Kernfusion soll den Prozess der Sonne auf die Erde bringen und damit die globale Energieversorgung für immer sicherstellen. Projekte in Deutschland und Frankreich laufen mit Schweizer Beteiligung seit längerem.

Respekt, Fairness, Verantwortung

Mit Anlässen zu aktuellen Themen fördert die Vereinigung christlicher Unternehmer VCU den Erfahrungs- und Meinungsaustausch unter den Mitgliedern sowie mit Fachleuten und interessierten Gästen. Hauptfokus ist laut VCU-Präsident Max Zeier dabei das «Wirtschaften mit Werten». Ziel der Vereinigung ist es, ihren Mitgliedern unternehmerische, gesellschaftliche und ethische Impulse zu vermitteln und ihre Verantwortung im Umgang mit Gesellschaft und der Welt wahrzunehmen. Dies ganz nach dem Motto: «Respekt – Fairness – Verantwortung».

Kontakt: Max Zeier, Präsident VCU AG/SO / 16. November 2018
Autoren: Chiara Rago/Louis Dreyer, MACH AG, Baden


«Wer nicht handelt, der wird behandelt»

Politik ist die Kunst des Möglichen. Aber nur dann, wenn Menschen auch partizipieren, ihren Willen ausdrücken, sich engagieren und vor allem auch handeln wollen, kann Politik bürgernah ermöglichen und ermächtigen. Regierungsrat Dr. Markus Dieth erläuterte an einer öffentlichen Veranstaltung der VCU Aargau/Solothurn die Faktoren, welche von Bürgerohnmacht zu Bürgermacht führen.

«Für mich ist das Leben Politik»

Dr. Markus Dieth ist seit 17 Jahren aktiv in der kommunalen und kantonalen Politik und seit 2017 Vorsteher des Departements Finanzen und Ressourcen. Politische Beteiligung und die Vermeidung der politischen Ohnmacht ist ein persönliches und wichtiges Anliegen von Dieth: «Für mich ist das Leben Politik, ich bin ein politischer Mensch, denn dieses politische Engagement bereitet enorm Freude. Zu spüren, dass man nicht ohnmächtig ist, dass man mitgestalten kann, an der Zukunft mitbauen und sich vor allem für die Bürgerin und den Bürger, aber auch für das Schweizervolk insgesamt einsetzen kann – das macht die politische Arbeit sehr wertvoll und erfüllend.»

Durch Engagement das Ohnmachtsgefühl vermeiden

Es gibt wohl kein politisches Gefüge auf der Welt, dass sich für die politische Beteiligung besser eignet als das Schweizer Modell. Kein anderes System erlaubt es seinen Bürgerinnen und Bürgern, dem Ohnmachtsgefühl so zu entkommen.

Unser Staat basiert auf den drei wichtigsten Grundprinzipien, die uns von anderen Staaten unterscheiden: Direkte Demokratie, Föderalismus, Milizprinzip. Die direkte Demokratie schafft einen Anreiz, sich politisch zu bilden, sie stärkt den aktiven Bürger und eröffnet eine breite Diskussion über politische Themen. «Föderalismus erlaubt die Respektierung der Minderheit, ohne die Mehrheit zu ignorieren. Das ist ein Zeichen politischer Macht auf allen Ebenen», so Dieth. Doch dieses System setzt das Engagement der Schweizer Bürgerinnen und Bürger voraus, wofür das Milizsystem in unserem Land steht. Das Milizsystem garantiert Bodenhaftung der Politiker und Nähe zum Volk.

Diese Nähe ist besonders wichtig, um einen direkten Draht zu den Bürgerinnen und Bürger zu haben, denn das zeichnet die direkte Demokratie aus. «Das Milizsystem verhindert, dass sich Bürger vom Staat entfremden, denn wenn man selbst mitwirken und bewirken kann, die politische Prozesse möglichst nahe an die Bürger herangeführt werden können, dann liegt die politische Macht direkt bei dir und mir und nicht weit weg, irgendwo in Bern, in den Händen von wenigen». Aber es gilt eben sich einzusetzen: Denn wer nicht handelt, der wird behandelt.

Die Jugend wurde wachgerüttelt, sie wird rebellischer

Jahrelang galt die Jugend als politikverdrossen, angepasst, ja gar langweilig. Nun zeichnet sich, so Dieth, das Ende dieser Lethargie ab. Jugendliche merken, dass sie die Gesellschaft, in der sie leben, mitgestalten können. Die eigenen Ideen zur Verbesserung und Optimierung können eingebracht werden, wofür man dann kämpfen und Mehrheiten finden muss. «Und überall kann man Spannendes lernen über Verhandlungstaktik, Kommunikation, Wahlkampf, politische Möglichkeiten, aber auch über die Grenzen des Systems. Mit der Zeit lernt man Geduld zu haben, denn der Weg in unserem politischen System ist vielleicht etwas langsamer, aber wir kommen zusammen ans Ziel». Das politische System der Schweiz wird getragen vom Engagement und der aktiven Teilnahme der Menschen. Weder durch populistische Parolen noch durch Unwahrheiten im Internet gerät es ins Wanken. Denn eine Gefahr für unsere Demokratie und damit unser Land besteht nur dann, wenn die Bürgerinnen und Bürger das Gefühl bekommen, sowieso nichts ändern zu können. «Doch wir alle können tatsächlich etwas bewirken und allein das zählt», so Dieth.

Dialog der Generationen

Da die Älteren unter uns natürlich die Erfahrenen sind, können sie die Jungen mitnehmen, sie einbinden und mit ihnen sprechen. Und die Jungen unter uns müssen keine Angst davor haben, sich mitnehmen zu lassen, sich zu engagieren, zuzuhören! Die Generation Z ist unsere Zukunft. Sie soll informiert und motiviert werden, sie soll wissen, dass sie entscheiden kann, dass vieles geändert werden kann – wenn sie sich beteiligt. «Denn nur kein Entscheid ist der schlechteste Entscheid!» so der Aufruf von Regierungsrat Dieth.

Was anfänglich nach einer trockenen Materie roch, entpuppte sich dank der Leidenschaft von Markus Dieth zu einem interessanten und vergnüglichen Anschauungsunterricht. Die gegen 60 Zuhörerinnen und Zuhörer, darunter eine Maturaabschlussklasse des BWZ Brugg, dankten es mit einem langen Applaus.

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Respekt, Fairness, Verantwortung

Mit Anlässen zu aktuellen Themen fördert die Vereinigung christlicher Unternehmer VCU den Erfahrungs- und Meinungsaustausch unter den Mitgliedern sowie mit Fachleuten und interessierten Gästen. Hauptfokus ist laut VCU-Präsident Max Zeier dabei das «Wirtschaften mit Werten». Ziel der Vereinigung ist es, ihren Mitgliedern unternehmerische, gesellschaftliche und ethische Impulse zu vermitteln und ihre Verantwortung im Umgang mit Gesellschaft und der Welt wahrzunehmen. Dies ganz nach dem Motto: «Respekt – Fairness – Verantwortung».

Bilder von oben:
«Wer nicht handelt, der wird behandelt», Regierungsrat Dr. Markus Dieth (rechts) plädierte vor der VCU in Brugg für ein politisches Engagement der Bürgerinnen und Bürger. Links VCU-Präsident Max Zeier.

«Die politische Lethargie bei den Jungen scheint vorbei zu sein», Regierungsrat Dr. Markus Dieth ist zuversichtlich und hofft auf die Generation Z – so in einem Referat vor der VCU in Brugg.

Unternehmertum – Motivation und Erfolgsfaktoren

Der Begriff des Unternehmens hat im Lauf der Zeit ganz offensichtlich einen Wertewandel erfahren: Vom einst rein kapitalorientierten Individuum hin zur heute gesamtverantwortlichen Persönlichkeit. Das Unternehmerleben ist kein Zuckerschlecken. Geprägt von komplexen Herausforderungen, zählen viele Hochs und Tiefs zu den ständigen Begleitern. Und immer muss es vorwärts gehen. Woher nimmt man diese Energie und den Antrieb?

An einer öffentlichen Veranstaltung der VCU Aargau/Solothurn erläuterte eine der profiliertesten Unternehmer unseres Kantons seine Motivation und Erfolgsfaktoren: Otto H. Suhner, VR-Präsident der Suhner Holding AG und Präsident und Delegierter der Kabelwerke Brugg Holding AG.

International tätig

Diese Gruppen verzeichnen per 2017 einen Umsatz von 730 Millionen Franken, erarbeitet von über 2500 Mitarbeitern in 10 Ländern. Beide Unternehmungsgruppen wurden im vorletzten Jahrhundert von Suhners Urgrossvater gegründet. Mittlerweile vertritt Otto H. Suhner die dritte Generation bei Suhner Holding AG und die vierte Generation bei Kabelwerke Brugg Holding AG als Verwaltungspräsident, denn Sohn Jürg E. Suhner hat die Führung übernommen und steht für die nächste Generation.

Was haben Unternehmer und Fischer gemeinsam?

Suhner ist passionierter Fischer. Aus seiner Sicht gibt es zwischen dem Unternehmer und einem Fischer viele Analogien: «Gute Fischer sind oft auch gute Unternehmer, denn ein Fischer muss sich laufend genau überlegen, ob er mit dem gleichen System am gleichen Ort weiterfischt bis er umfällt oder sich weiterbewegt und den Standort, das System, die Methode wechselt oder ausweicht auf andere Spezies bzw. Fischarten.» Die Erfolgsfaktoren eines Unternehmens lassen sich in einem einfachen Fragenquadrant erklären: Bestehende Produkte/Dienstleistungen in bestehenden Märkten verstärkt anbieten? Bestehende Produkte auf neuen Märkten anbieten? Neue Produkte für bestehende Märkte entwickeln? Oder neue Produkte für neue Märkte kreieren?

Der Unterschied zum börsenkotierten Unternehmen

«Ein Unternehmer ist wohl das Gegenteil von einem Unterlasser», so Suhner. Als Eigentümer und Führungsverantwortlicher trägt man eine ungleich höhere Verantwortung als der nur auf die Portfoliovermehrung ausgerichtete Kapitalanleger oder das lediglich mit der Führung beauftragte Management einer börsenkotierten Firma. Vor dem Einstieg in die Selbständigkeit sollte man sich fragen, ob man im anstehenden Wirkungsfeld mit überdurchschnittlich intensiver Arbeitsbelastung tätig sein will, ob es einem auch Freude bereitet und man begeistern kann. «Wen es nicht fasziniert, dauernd selber das Kräftespiel zwischen Markt und Produkt zu gestalten, mitzuwirken oder mitzuerleben, was die Mitarbeiter im Unternehmen bewirken können, der hat die unternehmerische Kernaufgabe nicht begriffen», sagte Suhner. «Wem allerdings all dies bewusst ist, wer zu den komplexen Belastungen unbekümmert Ja sagen kann, der soll loslegen.» ?

Welche Verantwortung trägt ein Unternehmer?

«Das Erschaffene nicht nur zu erhalten, sondern weiterzuführen, das ist mein persönliches Ziel.» Suhner sieht die Kunst, ein Unternehmen erfolgreich zu führen, als Lebensaufgabe. An oberster Stelle stehen Mitarbeiter, die an einem sicheren Arbeitsplatz, in einem anständigen Umfeld und bei angemessener Entlöhnung ihr Wissen einbringen können. Selbstverständlich ist auch eine gesunde Beziehung zu den Kunden und den Lieferanten und auch zu den Aktionären eine wichtige Basis. Qualitätsmängel bei den Produkten, Rechthaberei oder Lieferverzögerungen können schnell zu gravierenden Folgen führen. Das Verständnis für die Gemeinschaft, die Tradition, die Vorfahren, die nächste Generation, die Politik wie auch der Umgang mit Natur und Umwelt, aber auch mit sich selbst, machen das Unternehmerleben komplex, dafür auch spannend.

Als Unternehmer verfolgt man seine Ziele langfristig und mit Beharrlichkeit und Weitblick, behält das Wohlergehen des Unternehmens als oberste Priorität im Auge und stellt sich der sozialen Verantwortung. Dass notabene auch ein gewisser politischer Einsatz für die angestammte Region erwartet werden kann, ist für Suhner keine Frage. Er lebt dies schliesslich mit verschiedenen Funktionen im Kanton und in der Region Brugg vor.

«Die Theorie ist gut und recht. Aber natürlich läuft es in der Praxis oft anders. Nicht immer spielt sich alles so schön geordnet ab wie geschildert», relativiert Suhner zum Schluss. Dieser Hinweis ist typisch für Suhners Auftritt – emotional, authentisch und glaubwürdig von A bis Z. Die rund 60 Gäste waren sichtlich beeindruckt.

Bilder:

Oben: Referent Otto H. Suhner und Max Zeier, Präsident VCU AG/SO.

Unten: Rund 60 Gäste verfolgten aufmerksam die fesselnden Ausführungen des erfolgreichen Unternehmers Otto H. Suhner.

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Autoren:
Louis Dreyer, Chiara Rago, MACH AG, Baden

Biolandbau – Ein Weg zur nachhaltigen Ernährung der Menschheit?

Wem ist der Begriff «Bio» nicht schon längst ein Begriff? Ende Juni hatte die Vereinigung Christlicher Unternehmer Aargau/Solothurn (VCU) Gelegenheit zu einer Besichtigung im Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL in Frick. Urs Niggli, ausgewiesener Experte und Direktor des FiBL, zeigte den Besuchern die wissenschaftlichen Hintergründe des Biolandbaus auf. Die Führung zeigt, welche Innovationen und agrarpolitischen Massnahmen notwendig sind, um mit dem Biolandbau einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Ernährung zu leisten.

Das FiBL in Frick …

… ist das weltweit wichtigste Forschungs- und Beratungsinstitut für den Biolandbau. In seiner Forschungstätigkeit stehen der umweltfreundliche Pflanzenbau, die artgerechte Tierhaltung und eine wirtschaftlich und sozial starke Landwirtschaft im Zentrum.

Urs Niggli stellte zuerst seine Forschungstätigkeit im FiBL vor und antwortete detailliert auf die vielen interessanten Fragen der Besucher. Als Stiftung ist die Finanzierung über Bund, Kanton, Gemeinden und weiterer Institutionen gesichert. Ein Ausbau über CHF 28 Millionen ist bewilligt, durch die Behörden genehmigt und wird demnächst gestartet.

Vielfältige Forschungen

Für alle Besucher war die Vielfalt der Forschungen in der bäuerlichen Welt für Agrarland, Gemüse, Pflanzen und Früchte etc. beeindruckend. Die Notwendigkeit dieser Forschungs-arbeiten zum Wohle von Natur und Gesundheit hat alle Besucher der VCU zweifellos überzeugt. Auch das Vieh nimmt in der Forschung des FiBL einen wichtigen Teil ein. In eigenen Stallungen wird die Haltung sowie die Pflege und die Nahrung für das Vieh untersucht und nach bestmöglichen und natürlichen, eben biologischen Verfahren geforscht.

International vernetzt

Das FiBL arbeitet in zahlreichen Projekten und in Fachkommissionen mit Expertinnen und Experten in der Schweiz und im Ausland zusammen. Es hat Standorte in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Frankreich. Dazu wird seit geraumer Zeit auch direkt in Brüssel ein Zweigbetrieb für die Zusammenarbeit mit der EU betrieben.

Das FiBL engagiert sich seit vielen Jahren auf internationaler Ebene für die Entwicklung des Ökolandbaus. Sei es in der Forschung, in der Beratung und Entwicklungsarbeit oder in der Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen. Zahlreiche Projekte des FiBL in Osteuropa, Indien, Lateinamerika und Afrika beschäftigen sich mit der Entwicklung von ökologischen Forschungs-, Beratungs- und Zertifizierungsdiensten und unterstützen so den weltweiten Aufbau des Biolandbaus.

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Respekt, Fairness, Verantwortung

Mit Anlässen zu aktuellen Themen fördert die Vereinigung christlicher Unternehmer VCU den Erfahrungs- und Meinungsaustausch unter den Mitgliedern sowie mit Fachleuten und interessierten Gästen. Hauptfokus ist laut VCU-Präsident Max Zeier dabei das «Wirtschaften mit Werten». Ziel der Vereinigung ist es, ihren Mitgliedern unternehmerische, gesellschaftliche und ethische Impulse zu vermitteln und ihre Verantwortung im Umgang mit Gesellschaft und der Welt wahrzunehmen. Dies ganz nach dem Motto: «Respekt – Fairness – Verantwortung».

Autorin: Laura Blattner, MACH AG, Baden

Waldshut – von den Habsburgern ins 21. Jahrhundert

Waldshut, seit acht Jahrhunderten das Zentrum für viele Menschen, ist heute mit gegen 24'000 Einwohnern die Kreisstadt sowie auch die grösste Stadt im Landkreis Waldshut-Tiengen. Die VCU Aargau/Solothurn gewann kürzlich einen Einblick hinter die Kulissen unserer deutschen Nachbarstadt. In einer eindrücklichen Stadtführung des vormaligen Oberbürgermeisters Martin Albers wurden die Besucher unterhaltend und informativ in viele unbekannte Aspekte eingeweiht.

Die Führung beginnt am Bahnhof – dem Wahrzeichen der neuen Zeit. «Die Eisenbahn war für Waldshut ein sehr wichtiger Einschnitt, denn mit der Eisenbahn kam auch die Industrie», so Albers. Wie verbindend die Bahn darüber hinaus sein kann, zeigt sich daran, dass die SBB heute eine S-Bahn bis nach Waldshut führen. Die Besichtigung führt uns weiter in die schmucke Kaiserstrasse, wo noch bis 1989 Autos zirkulierten. Heute ist sie die Flaniermeile. Mit einem Verbot der gewerblichen Nutzungen ab dem ersten Obergeschoss haben die Behörden einen gewissen Wohnungsbestand in der Altstadt erhalten können. Romantisch und modern zugleich sind die zum Rheinbogen hin ausgerichteten Altstadtwohnungen. Als vormaliger und langjähriger Oberbürgermeister schöpft Martin Albers aus dem Vollen und garniert seine Ausführungen mit vielen unterhaltenden Reminiszenzen.

Der Landkreis Waldshut

Landrat Martin Kistler führt uns in den frisch sanierten Kreistagssaal. 170'000 Menschen wohnen im Landkreis Waldshut-Tiengen – mit einer Ausdehnung vom Rheinfall bis Rheinfelden und weit hinaus in den Schwarzwald; die Fläche entspricht fast derjenigen des Kantons Aargau. Die Region verfügt über zahlreiche Sehenswürdigkeiten und über reichhaltige Kultur- und Freizeitangebote. «Dies macht den Landkreis Waldshut-Tiengen zu etwas Besonderem», stellt Kistler fest. Dem Landrat obliegen die kommunalen, selbstverwaltenden Aufgaben, wie zum Beispiel die Abfallentsorgung. Daneben repräsentiert das Landratsamt auch die untere staatliche Verwaltungsstufe der Landesregierung in Stuttgart. In der Aufgabenhierarchie übernimmt der Landkreis staatliche Aufgaben wie etwa Umwelt- und Baurecht oder Strassenverkehr.

Waldshut und die Schweiz

Vor allem in den Bereichen Bildung, Tourismus und Verkehr arbeitet Waldshut-Tiengen eng mit der Schweiz zusammen, mit der sie eine 140 km lange Grenze verbindet. Kistler: «Waldshut-Tiengen hat 15'000 Berufspendler, welche ihr Brot in der Schweiz verdienen. Umgekehrt gibt es viele Schweizer, welche unsere touristischen Angebote und auch Einkaufsmöglichkeiten nutzen. Dafür sind wir natürlich sehr dankbar.» Als Beispiel erfolgreicher Zusammenarbeit gilt die Abfallentsorgung. Hier hat Waldshut Kooperationsverträge mit der Schweiz. «Wir können in der Schweiz unseren Müll verbrennen. Umgekehrt nehmen wir die Schlacken zurück und deponieren sie. Die Schweizer ersparen sich so Deponien, wir uns eine Verbrennungsanlage», so Kistler.

Respekt, Fairness, Verantwortung

Mit Anlässen zu aktuellen Themen fördert die Vereinigung christlicher Unternehmer VCU den Erfahrungs- und Meinungsaustausch unter den Mitgliedern sowie mit Fachleuten und interessierten Gästen. Hauptfokus ist laut VCU-Präsident Max Zeier dabei das «Wirtschaften mit Werten». Ziel der Vereinigung ist es, ihren Mitgliedern unternehmerische, gesellschaftliche und ethische Impulse zu vermitteln und ihre Verantwortung im Umgang mit Gesellschaft und der Welt wahrzunehmen. Dies ganz nach dem Motto: «Respekt – Fairness – Verantwortung».

Autoren: Laura Blatter, Louis Dreyer; Fotos: Louis Dreyer.


Bilder, von oben:

Martin Albers führte humorvoll und informativ durch unsere deutsche Nachbarstadt Waldshut.

Zwei politische Schwergewichte von einst: Der Badener alt Stadtammann Josef Bürge (Mitte) und der vormalige Oberbürgermeister Martin Albers (rechts).

Blick vom «Hinterhof» von Waldshut auf den Rheinbogen und das KKW Leibstadt.

Landrat Martin Kistler (rechts) wünscht mehr nach-barschaftliche Mitsprache in Themen wie etwa Flugverkehr und Tiefenlager.

Bis 1989 noch voller Autos, heute die Flaniermeile von Waldshut – die Kaiserstrasse.

Spiritualität boomt – einem Modewort auf der Spur

«Spiritualität» ist zum Modewort geworden. Heute kann schon ein gemütlicher Abend vor dem Kamin mit einem Buch «spirituell» sein. Spiritualität steht für die Suche in unserer Gesellschaft nach Werten, nach persönlicher Überzeugung, Lebensführung und nach einem Zusammenhang, der die Diesseitigkeit übersteigt. An einer öffentlichen Veranstaltung der VCU Aargau/Solothurn erläuterte der Jesuitenpater Dr. Christian Rutishauser die aktuelle Entwicklung.

Spiritualität bedeutet gegenwärtig sein, nicht mit den Gedanken irgendwo, sondern im Hier und Jetzt, in dieser Stunde. Spiritualität ist die Ermächtigung und der Mut, im Augenblick die Wirklichkeit anzunehmen, wie sie auf uns zu kommt. Sie kann schön oder schrecklich sein, eine Prüfung oder ein unangenehmes Gefühl. «Ich fühle: Ich kann». Zur Spiritualität gehören Mut und innere Freiheit.

Was ist Spiritualität – drei Dimensionen

Anthropologisch ist Spiritualität die Öffnung des menschlichen Geistes auf die Transzendenz hin. «Die meisten Menschen haben sich total in der Diesseitigkeit eingeschlossen», so Rutishauser. Heutzutage geht es um den Erfolg, um die Leistung und darum, sich im Leben möglichst gut einzurichten. «Wir sind die Sklaven von unseren Versicherungssystemen», stellt Rutishauser fest.

Spiritualität ist hierbei die Sehnsucht, auszubrechen aus der Welt, in der wir uns eingerichtet haben. Eine Sehnsucht, die (ein bisschen) mehr Räume öffnet, als nur am Wochenende «echt» zu leben. Spiritualität möchte unser Denken um eine geistige Dimension bereichern. Theologisch ist Spiritualität nicht nur die Öffnung des menschlichen Geistes auf etwas Göttliches hin, sondern auch die Öffnung des göttlichen Geistes auf uns hin. Es ist eine gegenseitige Kommunikation, welche oft als inneres Wachstum und als grosse Bereicherung beschrieben wird. Biblische Spiritualität als religiöses Wort hat den Sinn, den göttlichen Geist in uns zu öffnen.

Spiritualität fällt nie einfach vom Himmel. Sie ist immer in eine Tradition eingebettet, ist geschichtlich. Sie wird vermittelt in Erzählungen, Schriften und Ritualen, welche die betreffenden Menschen mehr oder weniger stark prägen und Identität stiften. Diese Prägung scheint in modernen Gesellschaften abzunehmen oder von materiellen Werten verdrängt zu werden. Einzig die wiederkehrenden religiösen Festtage sind noch stark im kollektiven Bewusstsein verankert, obschon ihre inhaltliche Bedeutung mehr und mehr vergessen wird. Spirituell ist ein Leben, das sich bewusst für den Geist Gottes öffnet und sich von ihm prägen und durchformen lässt.

Formen der Spiritualität

Bei der einen Form der Spiritualität geht es um Rhythmen: Tages-, Jahres- und Lebensrhythmus. Diese Form von Spiritualität macht sich fest am Alltag. Alle Religionen, aber auch Menschen, die sich als nicht religiös bezeichnen, haben Rituale und Wiederholungen, die ihr Leben prägen: Im Frühling denkt man ans Entstehen von Leben, es gibt Frühlingsfeiern, Sommersonnwende, Erntedankfeste.

Eine andere Form zeigt Innerlichkeit und mystische Vertiefung auf: Viele machen heute innerliche Erfahrungen, wenn sie sich in der Natur bewegen. Dies ist eine ganz andere Form der Spiritualität, man teilt sie nicht so leicht mit andern, sondern erlebt sie meist als persönliche und intime Erfahrung. Schliesslich gibt es die sozialkritische Spiritualität, wo Menschen, durch die Religion ermutigt, sich für gesellschaftliche Gerechtigkeit einsetzen. Rutishauser erinnert an die Gospeltradition der Schwarzen in Amerika, die gegen die Rassendiskriminierung kämpften.

Früher Kirche – heute Showbusiness

Was hat die säkulare Welt mit der Religion gemeinsam? Jede Religion ist ein System, welches Welterklärung, Ethik, eine gewisse Liturgie, Spiritualität und eine Institution liefert und damit die ganze Kultur prägt. «Die säkulare Wissenschaft macht hierbei genau das Gleiche, einfach mit anderen Mittel», erklärt Rutishauser.

Die Evolutionslehre und Naturwissenschaft ersetzt zum Beispiel die ganze Welterklärung wie Schöpfung, Offenbarung, Erlösung. Im Bereich Ethik gibt es die Werte, Normen und Menschenrechte. Ebenso gibt es in der säkularen Welt Nationalfeiertage oder Events wie die Olympiade und den Eurovision Song Contest, welche heute die Liturgie ersetzen. Rutishauser spricht in diesem Fall von Conchita Wurst, welche im Showbusiness als Jesus in Erleuchtung auftritt. «Was der Mensch früher in der Kirche gesucht hat, findet er heute im Showbusiness», sagt Rutishauser, der auch über die heutige Internetsucht spricht: «Ein Grossteil der Sucht hängt nicht vom Inhalt ab, sondern vom Lichtaufschein auf dem Screen, welcher für eine klassische, archaische Form von Erleuchtung steht. Das ist bei der säkularen Gesellschaft Liturgie.» Heute geht der Mensch nicht mehr zum Beichtstuhl, sondern zum Psychiater oder zum spirituellen Coach.

Spiritualität in Unternehmen

Die Kunst, Spiritualität im Unternehmen einzubauen, liegt darin, «Räume» zu schaffen, die zu einer intuitiveren und breiteren Wahrnehmung führen «Als Führungsleiter ist es wichtig, dem Team jeden Tag diesen Raum von 2-3 Minuten zu geben, um einen Augenblick der Stille wahrzunehmen und sich gemeinsam innerlich zu öffnen. Jeder einzelne Mitarbeiter soll sich dabei bewusst werden, welche Sachgeschäfte und damit verbundene Konflikte anstehen und wie man sich als Team gemeinsam ausrichtet», erklärt Rutishauser, der viele Management-Coachings leitet. So kann man dies, was in einer Erleuchtungsform ganz gross formuliert wird, in kleinen Schritten im täglichen Alltag einbauen. Viele Führungskräfte wünschen sich zusätzlich mehr Ausstrahlung in ihrer Rolle und kommen dabei auch auf die Spiritualität zurück. Mystische Erfahrungen sind der beste Katalysator von Persönlichkeitsbildung. «Eine Persönlichkeit aber entsteht mit Übung; man muss in seinem Innern Raum geben für den spirituellen Geist. So entsteht eine Persönlichkeit, die ihnen eine Autorität und eine Ausstrahlung gibt, mit der Sie Ihr Geschäft garantiert besser führen.»

Respekt, Fairness, Verantwortung

Mit Anlässen zu aktuellen Themen fördert die Vereinigung christlicher Unternehmer VCU den Erfahrungs- und Meinungsaustausch unter den Mitgliedern sowie mit Fachleuten und interessierten Gästen. Hauptfokus ist laut VCU-Präsident Max Zeier dabei das «Wirtschaften mit Werten». Ziel der Vereinigung ist es, ihren Mitgliedern unternehmerische, gesellschaftliche und ethische Impulse zu vermitteln und ihre Verantwortung im Umgang mit Gesellschaft und der Welt wahrzunehmen. Dies ganz nach dem Motto: «Respekt – Fairness – Verantwortung».

Autoren: Louis Dreyer/Laura Blattner, MACH AG, Baden

Sechs Jahrzehnte Qualität und Präzision

Wie behauptet sich ein KMU erfolgreich seit Jahrzehnten in umkämpften Märkten? Die Vereinigung Christlicher Unternehmer Aargau/Solothurn (VCU) hatte Gelegenheit zu einer Besichtigung der Samuel Werder AG in Veltheim. Claude Werder, Inhaber in zweiter Generation, und Raphael Vögtli, Kaufmännischer Geschäftsleiter, informierten die Besucher über das A und O der hochqualifizierten Feinwerktechnik. Die Teilnehmer erhielten Einblick in die Philosophie des Familienunternehmens und in die Hightech-Produktion.

Start mit einer Werkstatt im Keller

«In unserer Branche haben wir mit grosser Konkurrenz zu kämpfen» so Claude Werder gleich zu Beginn. Bei Anbietern aus dem Nahen Osten und China beispielsweise profitieren potentielle Kunden von markant tieferen Preisen. Dank modernsten Maschinen, langjähriger Erfahrung und grosser Investitionsbereitschaft behauptet sich die Samuel Werder AG aber gut im Markt. Claude Werder: «Wir sind aktuell sehr gut ausgelastet.» 2015 gewann die Firma den Aargauer Unternehmenspreis in der Kategorie Industrie- und Produktionsunternehmen.

Die Geschichte von Samuel Werder AG beginnt 1957, als der Gründer Samuel Werder die erste mechanische Werkstatt in den Kellerräumen seines Elternhauses einrichtet. Sieben Jahre später zieht der Betrieb mit fünf Mitarbeitern in einen ersten Neubau in Schinznach-Bad um. 1998 überträgt Samuel Werder die Geschäftsleitung an seinen Sohn Claude Werder. Im Jahre 2000 folgt dann der Neubau im Industriegebiet Werd in Veltheim. 2014 kommen noch der Erweiterungsbau und eine erneute Verdoppelung der Produktions- und Lagerfläche hinzu. Die vielen Kunden kommen aus aller Welt.

Präzision, Flexibilität und Zuverlässigkeit

«Für uns zählt Präzision, Flexibilität und Zuverlässigkeit» so Werder. Diese Faktoren bieten den Kunden vor allem eins: optimale Sicherheit. «Dazu ist es uns wichtig, immer auf die Wünsche der Kunden einzugehen». Die Produktion der Teile basiert konsequent auf den Zeichnungen und Vorgaben des Kunden. Samuel Werder AG unterstützt aber auch bereits bei der Entwicklung anspruchsvoller Werkstücke, um dafür eine möglichst optimale und kostensparende Fertigungstechnik zu finden. «Gemeinsam mit dem Kunden eine Lösung zu finden, ist für die Geschäftsbeziehung sehr förderlich», so Raphael Vögtli.

Drehen, fräsen und messen

Mit seinen 70 CNC-Fräs- und Drehmaschinen bearbeitet das Familienunternehmen Aluminium, Stahl, Titan, Silber, Messing, Bronze, Neusilber, Magnesium und Kunststoffe. Die Feinwerktechnik verlangt höchste Präzision. Diese wird durch die CNC-Maschinen möglich, verlangt anderseits aber auch erfahrene Fachkräfte. Um die produzierten Teile zu überprüfen und dokumentieren, verfügt die Firma über einen eigenen vollklimatisierten Messraum mit hochpräziser 3D-Messtechnik. Ob Turbolader, Bluttestgeräte oder Medizinaltechnik – Produkte der Samuel Werder AG finden sich in vielen Bereichen.?

Ausbildung, Theorie und Praxis

Der Blick hinter die Kulissen faszinierte die Besucher. Beim exzellenten Apéro entfacht sich eine spannende Diskussion über die Entwicklung des Berufsbildungswesens in der Schweiz. Um den fachlichen Nachwuchs zu sichern, hat die Samuel Werder AG aktuell fünf Polymechaniker in Ausbildung. Im Polymechaniker sind die Grundlagen früherer Berufe wie Mechaniker, Feinmechaniker, Werkzeugmacher, oder Maschinenmechaniker enthalten. Werder kritisiert dieses Berufsbild. «Ein Polymechaniker hat im Vergleich zu den früheren Berufsleuten heute zwar viele Kenntnisse in verschiedenen Bereichen, aber leider nur oberflächlich und ansatzweise», so Werder. «Ebenso spielt die Theorie in der Ausbildung eine immer grössere Rolle. Wenn ein Lehrling gute Noten schreibt, heisst das aber nicht automatisch, dass er auch über die so wichtigen handwerklichen Fähigkeiten verfügt». Deshalb vertraut Claude Werder bei der Selektion seiner Lehrlinge nicht primär auf gute Zeugnisse, sondern vor allem auf die Resultate bei Probearbeiten und Schnupperlehren im Betrieb.

Feinwerktechnik vom Feinsten – Samuel Werder AG

Das Familienunternehmen Samuel Werder AG, Veltheim, beliefert seit 60 Jahren seine Kunden mit Metall- und Kunststoffteilen in höchster Präzision. Das KMU beschäftigt 70 Mitarbeitende und 6 Lernende. Grosser Stellenwert hat bei Inhaber Claude Werder das familiäre Verhältnis sowohl zu den Mitarbeitenden wie auch zu Kunden und Lieferanten. Dazu gehört beispielsweise auch der Vaterschaftsurlaub, der für Claude Werder selbstverständlich ist. Claude Werder: «Wir sind überzeugt, dass man langfristig nur mit hoher Qualität und Fairness erfolgreich sein kann. Oder kurz und bündig: Behandle Deine Mitmenschen so, wie Du selbst behandelt werden möchtest.» Mehrheitsaktionär Claude Werder hat 2017 die operative Leitung an die beiden langjährigen Mitarbeiter André Stäger und Raphael Vögtli abgegeben und präsidiert noch den Verwaltungsrat.


Respekt, Fairness, Verantwortung

Mit Anlässen zu aktuellen Themen fördert die Vereinigung christlicher Unternehmer VCU den Erfahrungs- und Meinungsaustausch unter den Mitgliedern sowie mit Fachleuten und interessierten Gästen. Hauptfokus ist laut VCU-Präsident Louis Dreyer dabei das «Wirtschaften mit Werten». Ziel der Vereinigung ist es, ihren Mitgliedern unternehmerische, gesellschaftliche und ethische Impulse zu vermitteln und ihre Verantwortung im Umgang mit Gesellschaft und der Welt wahrzunehmen. Dies ganz nach dem Motto: «Respekt – Fairness – Verantwortung».

Autorin: Laura Blattner, MACH AG, Baden

«Es war 47-facher Mord» - Hintergründe und aktueller Stand zum Flugzeugattentat 1970 in Würenlingen

Das liess niemanden kalt an diesem September-Samstagvormittag 2017: Am Ort des damaligen Geschehens, dort, wo die Maschine der Swissair im Februar 1970 mit 47 Menschen an Bord in den Wald stürzte, berichteten …

- Arnold Schneider, Buchautor, ehemaliger Gemeindeammann von Würenlingen und Zeitzeuge
- der NZZ-Journalist und Buchautor Marcel Gyr
- sowie VCU-Mitglied und Nationalrat Thierry Burkart

… über die damaligen Geschehnisse und den heutigen Stand der Ermittlungen. Es ist bis heute der grösste Terroranschlag, den die Schweiz je erlebt hat.

Das Verbrechen ist nach wie vor ungesühnt, der Verdacht dringend, dass der Fall politisch vertuscht worden ist. Es laufen zurzeit Bemühungen auf Bundesebene, den Fall wieder aufzunehmen und die Ermittlungen einem korrekten Ende zuzuführen. Die ebenfalls anwesende Grossrätin Jeanine Glarner (FdP) hat in der Folge mit einer Interpellation die Aargauer Regierung aufgefordert, Transparenz zu schaffen, «damit die Angehörigen Gerechtigkeit erfahren».

Die Medien berichteten darüber. Bitte entnehmen Sie den nebenstehenden Beilagen die Artikel der «Botschaft» Döttingen sowie der «Aargauer Zeitung».

Prof. Carrel: Von Herzen – Wünschbares und Machbares in der spezialisierten Medizin

Die medizintechnische Industrie hat in den letzten Jahren bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Noch vor 20 Jahren hätten wir uns gewisse medizinische Lösungen, die inzwischen alltäglich sind, nie vorstellen können. Doch ist alles Machbare auch sinnvoll und wünschbar? Über dieses Thema referierte Prof. Dr. med., Dr. h. c. Thierry Carrel, der bekannteste Herzchirurg der Schweiz, an einem öffentlichen VCU-Anlass in Aarau. Carrel schilderte den vielen Gästen, darunter eine Pharma-KV-Klasse, die Innovationen der Medizin, deren Grenzen und Auswirkungen und äusserte sich dezidiert zum Spannungsfeld zwischen Ethik und Ökonomie. Die Mediziner, aber auch die Gesellschaft sind gefordert, sich mit den Grenzen der modernen Medizin auseinanderzusetzen.

«Unsere Lebenserwartung wird immer höher»,

… so Carrel mit dem Hinweis auf den Wandel der Demografie. Der Schweizer lebt heutzutage durchschnittlich mehr als 80 Jahre. Allein zwischen 1990 und 2010 betrug die durchschnittliche Zunahme der Lebenserwartung mehr als fünf Jahre. Der demografische Wandel und der medizinische Fortschritt führen zu einem steigenden Versorgungsbedarf, vor allem für mehrfach Erkrankte, chronisch Kranke und ältere Patienten. Der Medizinsektor ist mittlerweile zu einem Wachstumsmarkt und zugleich wichtigen Arbeitsmarkt mutiert.

Die Innovation der Medizin

«Der Fortschritt ist absolut unbegrenzt», stellt Carrel fest. «Wir haben heute keine Ahnung, was man im 21. Jahrhundert medizintechnisch noch erreichen wird. Die Medizin macht unglaubliche Fortschritte, und wir sehen heute Lösungen, die wir noch vor 20 Jahren als unmöglich eingestuft hatten.» Was gestern noch ein hohes Risiko und ethisch nicht akzeptiert war, soll plötzlich für alle Menschen möglich und segensreich sein. Bei aller berechtigten Freude über die erzielten Erfolge – es stellen sich zunehmend Fragen nach den negativen Aspekten dieser Innovation. Wir erkennen mehr und mehr, dass nicht alles, was möglich ist, auch wirklich sinnvoll und wünschenswert scheint. Dies zeigt sich in immer wieder neu aufkommenden schwierigen Entscheidungen, die zu treffen sind. Wer bekommt welche Behandlung? Wer finanziert das Ganze? Wie werden die Ressourcen gerecht verteilt?

Das Spannungsfeld zwischen Ethik und Ökonomie

Ohne eine Ökonomisierung in der Medizin wäre der Fortschritt in diesem Sektor in den letzten Jahren vielleicht nicht so schnell erreicht worden. «Die Ökonomisierung, die immer wesentlicher wird, birgt aber auch gewisse Gefahren, dass die Behandlung nicht nach der besten Qualität und dem besten Resultat, sondern nach dem optimalen Ertrag durchgeführt wird», gibt Carrel zu bedenken. Die Krankenhäuser sind auf eine möglichst effiziente Heilung der Kranken ausgerichtet. Der kranke Mensch wird jedoch verstärkt als Kunde und weniger als Individuum gesehen. Die gerechte Verteilung der knappen Ressourcen im Gesundheitssystem gehört zu den wesentlichen, ethischen Herausforderungen der Medizin. Aufgabe der Medizin-Ökonomie ist es, Konzepte für die optimale Nutzung und gerechte Verteilung von Gesundheitsgütern zu entwickeln. Was ist möglich? Was dürfen wir? Wo sind die Grenzen unseres Tuns? Das sind Herausforderungen, die bereits in Alltagssituationen häufig nicht einfach zu bewältigen sind. «Wer entscheidet was gerecht ist, wenn 100 Patienten auf der Liste für ein Spenderherz stehen? Der, der am längsten wartet? Oder der, der am jüngsten ist?», solche Fragen bringen die Mediziner immer wieder in schwierige Situationen. – Viele Fragen blieben in der regen Diskussion unbeantwortet. Aber die Sensibilisierung dafür war das Hauptziel dieses bemerkenswerten Referats.

Prof. Dr. med. Carrel zu …

… Zukunft der Medizin: «Big Data wird möglicherweise einen Teil der Ärzte ersetzen. 2050 wird es in der Medizin komplett anders laufen. Wir dürfen uns nicht dagegen sperren und müssen zumindest versuchen, mit der Zeit zu gehen.»

… Personalisierte Medizin: «Das Ziel wäre, die Erfolgsarten einer Behandlung im Voraus besser zu erkennen. Die personalisierte Medizin würde beim Patienten alle Kriterien wie zum Beispiel Alter, Blutgruppe, Gewicht, Fettgehalt, Body Mass Index (BMI) und Familiengeschichte behandeln. Mit der Untersuchung von Erbgut kann herausgefunden werden, welches Medikament für den Patienten am geeignetsten ist. „Präzision, Wirksamkeit und möglichst wenige Nebenwirkungen wären hier das Ziel“. Ein Beispiel hierfür ist das Symptom Bluthochdruck. Hier gibt es verschiedene Klassen von Medikamenten. Jeder Patient reagiert anders auf jedes einzelne Medikament. Anstatt nun herum zu experimentieren, könnte man anhand der gemessenen Faktoren direkt das Passende verabreichen. Dasselbe trifft wahrscheinlich für die Chemotherapie zu.»

… Sterbehilfe: «Exit wurde in den letzten Jahren immer mehr zum Thema, weil die Medizin sich nicht mit den Patienten, die im Sterben liegen, beschäftigt – und das darf nicht sein. Wir haben viele Medikamente, wir können Patienten helfen und sie würdig in einen schmerzlosen Tod begleiten. Die Medizin muss sich daher noch weiter verbessern, so, dass ein unheilbar kranker Patient nicht auf Exit ausweichen muss.»

… Anrecht auf medizinische Leistungen: «Paradox ist, dass heute die teuerste Herzklappe am besten für ältere Patienten geeignet ist, diese sie aber am wenigsten lang brauchen. Eigentlich müsste man die teuersten Herzklappen den Kindern geben. Bei Medizinprodukten für Kinder ist die Medizintechnik noch nicht so fortgeschritten, weil der Markt sehr klein ist. Daher ist es für die Pharma und MedTech nicht lohnenswert, hier in die Forschung zu investieren.»

… Stress: «Mich stresst eine Agenda, die ich nicht erfüllen kann. Wenn sie voll ist, stresst mich das nicht.»

Respekt, Fairness, Verantwortung

Mit Anlässen zu aktuellen Themen fördert die Vereinigung christlicher Unternehmer VCU den Erfahrungs- und Meinungsaustausch unter den Mitgliedern sowie mit Fachleuten und interessierten Gästen. Hauptfokus ist laut VCU-Präsident Louis Dreyer dabei das «Wirtschaften mit Werten». Ziel der Vereinigung ist es, ihren Mitgliedern unternehmerische, gesellschaftliche und ethische Impulse zu vermitteln und ihre Verantwortung im Umgang mit Gesellschaft und der Welt wahrzunehmen. Dies ganz nach dem Motto: «Respekt – Fairness – Verantwortung».

Louis Dreyer/Laura Blattner

Sitzmöbel mit höchstem Anspruch – seit 50 Jahren

Im Juni 2017 bekam eine Besucherschar der VCU Vereinigung Christlicher Unternehmer Aargau/Solothurn Einblick in die Sitzmöbelfirma Intertime AG in Endingen. Lukas Weibel führt das Familienunternehmen in zweiter Generation zusammen mit seinem Bruder Johannes. In einer eindrücklichen Besichtigung erhielten die Besucher Einblick in die einzelnen Arbeitsschritte der Produktion eines Intertime-Möbels. Die VCU zeigte sich beeindruckt von den unternehmerischen Leistungen.

Starke und innvovative Führung unabdingbar

«Man muss vieles leisten, um in unserer Branche bestehen zu können», erklärte Lukas Weibel am Anfang der Besichtigung. Es gäbe in der Schweiz nicht mehr viele Möbel-unternehmen, deshalb sei eine starke und innovative Führung für sein Unternehmen mit 61 Mitarbeitern unabdinglich.

Das gelingt Intertime AG mit Erfolg: 2014 gewann die Firma den Aargauer Unternehmenspreis in der Kategorie Industrie- und Produktions-unternehmen. Die Geschichte von Intertime AG geht zurück auf das Jahr 1965, als Hans Weibel zuerst in Zürich, bald darauf in Endingen den Grundstein für das Unternehmen legte und an diesem Standort expandierte. 2001 erfolgte der Generationenwechsel an die beiden Söhne. Die Philosophie blieb gleich: der Anspruch an bedingungslose Qualität, Funktionsvielfalt und erstklassige Verarbeitung am Standort sind auch heute zentrale Werte der Firma.

Sitzqualität, Design, Variation

«Die Intertime AG lässt sich in drei Worten zusammenfassen: Sitzqualität, Design und Variation», umreisst Weibel die Firmenidentität. «Die Kollektionen von Intertime erfüllen klassische, sowie moderne Designansprüche. Zusammen mit den hochwertigen Materialien die wir benutzen, gewähren wir eine lange Lebensdauer sowie zeitlose Designs». Auch an die Sitzqualität hat Weibel grosse Ansprüche. Nachdem sein Vater das ARS (Anatomisch Richtig Sitzen) umsetzte, führten die Söhne das „Dynamische Sitzen“ ein – welches nicht nur einer aufrechten Sitzhaltung, sondern auch einem bequemen und bewegten Sitzen dient. Als KMU ist es Intertime AG möglich, spezifisch auf Kundenwünsche einzugehen und dabei eine grosse Variation an Möbeln anzubieten.

Jedes Möbel ein Einzelstück

Die Besichtigung begann in einer grosszügig und modern eingerichteten Ausstellungs-halle. In dieser können Kunden die Möbel ansehen und testen. An der Wand hängt eine Vielzahl an Stoffvariationen, die das eindrücklich breite Sortiment präsentieren. Die Besucher wurden anschliessend in den oberen Stock, in dem die eigentliche Produktion stattfindet, geführt. Weibel zeigte, welche Arbeitsschritte durchlaufen werden müssen, bis das Endprodukt hergestellt ist. Von der Kontrolle jedes einzelnen Lederstückes, über das Scannen der verwertbaren Teile, das Schneiden des Leders auf Mass, das Verarbeiten und Nähen des Materials bis hin zur Polsterung der Möbel und der Montage der Mechanik, ist jeder Schritt mit viel Handarbeit und exakter Arbeit verbunden. Zur Qualitätssicherung prüfen jeweils Mitarbeiter aus verschiedenen Teilbereichen das Endprodukt. Dies fördert die Affinität der Angestellten für die Arbeit der anderen Mitarbeiter. Da jede Lederhaut einzigartig ist und die Möbel durch Handarbeit hergestellt werden, ist jedes Produkt ein Einzelstück.

Innovation und Tradition

Der Blick hinter die Kulissen der Intertime AG faszinierte die Besucher. Nach dem Rundgang wurden die Ausstellungsmöbel bei einem Apéro getestet und ausprobiert. Die Produkte von Intertime AG sind jeweils auch an internationalen Messen ausgestellt und wurden bereits mit mehreren Designawards, darunter dem renommierten reddot design award, ausgezeichnet. Mit Tradition, Innovation und dem hohen Anspruch an Design und kundenorientierten Service sieht sich das Unternehmen auch mit Blick in die Zukunft auf gutem Weg.

Migration nach Europa und in die Schweiz

Alt Botschafter Erwin H. Hofer vor der VCU Aargau/Solothurn – öffentlicher Businesslunch in Brugg am 27. April 2017

Sie beschäftigt uns alle, die Flüchtlingsproblematik, die zurzeit in Europa für viele politische Diskussionen sorgt. Zu diesem höchst aktuellen Thema und inwiefern die Schweiz davon betroffen ist, referierte Erwin H. Hofer, Alt Botschafter und exzellenter Kenner der Diplomatie, an einem öffentlichen VCU-Anlass im BWZ Brugg. Hofer bot den Besuchern des Anlasses, darunter eine Maturaklasse, einen Einblick in seine politischen Erfahrungen sowie einen Ausblick auf künftige Entwicklungen und Lösungsmöglichkeiten der heutigen Flüchtlingssituation.

«Die Schweiz braucht die Migration», …

… stellte Erwin H. Hofer zu Beginn fest. Der HSG-Dozent stand seit 1976 im diplomatischen Dienst der Schweiz und war während den letzten Jahren als Missionschef an Brennpunkten der heutigen Migrationsströme im Einsatz. Er war der letzte akkreditierte Schweizer Botschafter in Libyen, das er nach Ablauf seiner Amtszeit 2014 über die Türkei verliess. Hofer ging bei seinem Referat auf die Ursachen der Flüchtlingsströme, die Fluchtrouten, die Rolle Nordafrikas sowie auf die Lösungsansätze und die Situation in der Schweiz ein. Worin liegen die Hauptursachen der Migration? Welche Verantwortung haben wir als Europäer? Wie kann den Flüchtlingen nachhaltig geholfen werden? Diese Fragen wurden von Hofer thematisiert und später in einer offenen Diskussion weiter besprochen.

Ursachen der Migration

«Migration ist ein globales Phänomen, das es seit Jahrhunderten gibt», meinte Hofer. Es ist noch nicht lange her, als Schweizer im 19. Jahrhundert in die USA und nach Russland migriert sind, weil sie hier keine Arbeit und nicht genügend Nahrungsmittel hatten.

Die Ursache für die Auswanderung ist heute ähnlich: Das Bevölkerungswachstum in der Subsahara nimmt rasant zu und wird sich bis 2050 verdoppeln. Dies hat zur Folge, dass die Armut steigt und eine gewaltige Beschäftigungslücke entsteht. Auf 100 in Pension gehende Personen folgen 500 junge Bewohner, was viele junge Männer ohne Zukunftsperspektiven in die Migration zwingt. Entsprechend nehmen viele Junge unvorstellbare Risiken auf sich und fliehen über Libyen nach Europa.

«Wenn der Wohlstand nicht nach Afrika kommt, kommt Afrika zu uns »

Hofer ist der Meinung, dass es zu spät ist, den Flüchtenden erst in Libyen oder gar erst in Europa zu helfen. Aus humanitären Gründen muss man die Flüchtlinge, die in Europa sind, mit Respekt behandeln und ihnen Hilfe anbieten. Um jedoch das Problem langfristig zu bekämpfen, sollte laut Hofer die Hilfe vor Ort intensiviert werden. «Wenn der Wohlstand nicht nach Afrika kommt, kommt Afrika zu uns».

Mit dieser Aussage begründet Hofer die Wichtigkeit, Afrika vor Ort zu helfen, damit nicht mehr so viele Jugendliche ihr Land aus Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit verlassen müssen. Indem Europa seine Schengen-Aussengrenzen wieder unter Kontrolle bringt, erhält es gemäss Hofer auch seine Handlungsfreiheit wieder zurück und hat genügend Freiraum für humanitäres Handeln sowie für eine zielgerichtete Unterstützung vor Ort.

Flüchtlingspolitik in Europa

«All refugees welcome» lautete das Credo Angela Merkels Politik im Jahre 2014. Diese Botschaft erreichte innert kürzester Zeit die ganze Welt. Laut Hofer muss eben diese Denkweise geändert werden: «In Afrika herrscht die dominierende Wahrnehmung, dass jeder, der es bis nach Europa schaffe, dort bleiben könne.» Diese weit verbreitete Meinung beschreibt Hofer als häufige Motivation für die Flucht nach Europa. Auch führte der (Fehl-)Entscheid, bei den Eritreern die Militärdienstverweigerung als Asylgrund zu betrachten, zu einer Welle von Flüchtlingen aus diesem Land.

Als Erfolgsbeispiele für europäische Staaten, welche mit den Migrationswellen politisch gut umgingen, nennt Hofer Bulgarien und Spanien. Die Verantwortung und der Umgang Europas mit den Flüchtlingen ist ein polarisierendes Thema, welches nach dem Referat für viel Gesprächsstoff sorgte.


Das meinten Besucher dazu

«Wir sind selbst politisch aktiv und fanden das aktuelle Referat deshalb sehr spannend. Es war interessant, eine etwas andere Position zu hören, als wir sie vertreten. Mit den Ursachen und Gründen für die Migration stimmen wir mit Herrn Hofer überein, jedoch sind wir von anderen Lösungsansätzen überzeugt.»
Julian und Joris Widmer, Maturaklasse BWZ

«Das Referat hat mein Bewusstsein für die Komplexität der Migrationsfragen geschärft. Vor nicht allzu langer Zeit waren wir in der Schweiz diejenigen, die auswandern mussten, nun erleben wir dieses Phänomen von der anderen Seite. Die Hoffnungslosigkeit, die mit dem Verlassen der Heimat und der Familie zusammenhängt, betrifft mich sehr. Ich stimme deshalb mit Herrn Hofer überein, dass für eine langfristige Lösung Hilfe zur Selbsthilfe vor Ort geleistet werden muss.»
Beat Urech, Birmenstorf

«Die Insellösungen Europas mit der Abschottung durch Zäune oder Mauern bekämpfen nicht die wahre Ursache. Das Flüchtlingsproblem muss meiner Meinung nach global gelöst und die Ursachen müssen gezielt bekämpft werden. Ich fand das Referat von Herrn Hofer sehr anregend und hoch aktuell.»
Urs Waber, Biberstein

Respekt, Fairness, Verantwortung

Mit Anlässen zu aktuellen Themen fördert die Vereinigung christlicher Unternehmer VCU den Erfahrungs- und Meinungsaustausch unter den Mitgliedern sowie mit Fachleuten und interessierten Gästen. Hauptfokus ist laut VCU-Präsident Louis Dreyer dabei das «Wirtschaften mit Werten». Ziel der Vereinigung ist es, ihren Mitgliedern unternehmerische, gesellschaftliche und ethische Impulse zu vermitteln und ihre Verantwortung im Umgang mit Gesellschaft und der Welt wahrzunehmen. Dies ganz nach dem Motto: «Respekt – Fairness – Verantwortung».

Bilder von oben:

Erwin H. Hofer, Alt Botschafter und exzellenter Kenner der Diplomatie, referierte bei der VCU Aargau/Solothurn über die aktuelle Flüchtlingssituation und welche nachhaltigen Lösungen es gibt.

Von links: Max Zeier (VCU-Vorstand), Erwin H. Hofer (Alt Botschafter und Referent),
Louis Dreyer (Präsident VCU Aargau/Solothurn)

Links Roland Mösch, VCU-Mitglied, mit Gast Urs Waber.

Bericht im Brugger General-Anzeiger

Bericht General-Anzeiger Brugg

Businessman mit Bubenherz und Bibeltreue

Ansgar Gmür, Direktor des Hauseigentümerverbandes Schweiz, referierte am letzten Business-Lunch der VCU Aargau / Solothurn über sein Leben, sein Werdegang und sein Bezug zum Glauben. Wie gelang dem siebten Kind einer Bergbauernfamilie aus Amden SG den beruflichen Aufstieg? Gmür unterhielt die Besucher im Restaurant Mürset, Aarau, mit seiner erstaunlichen Geschichte und seinem einzigartigen Humor bestens.

«Das Leben auf dem Bergbauernhof war sehr hart und entbehrungsreich», erzählte Gmür über seine Kindheit auf dem Hof, welcher dazumal noch nicht einmal von einer Strasse erschlossen war. Die Erziehung unter seinem katholisch-konservativen Vater war äusserst streng. Nachdem seine Mutter früh verstarb, war er froh, in Basel eine Lehre als Chemielaborant machen zu können. Anschliessend holte er die Matura auf dem zweiten Bildungsweg nach und studierte Ökonomie an der Universität Zürich. Als Werkstudent arbeitete er als Taxifahrer in Zürich, Nachtportier, Kassierer, Putzmann, Lehrer und Ausbildner.

Werdegang und Ämter

Nach seinem Studium war Gmür zuerst als Controller bei der Firma Roche, später als Vizedirektor beim Verband der Arbeitgeber der Textilindustrie und Direktor des Verbandes der Schweizerischen Zellstoff-, Papier- und Kartonindustrie tätig. Parallel dazu war er im Nebenamt als Arbeitsrichter während 14 Jahren am Bezirksgericht Zürich tätig. Seit 2000 ist er Direktor des Hauseigentümerverbandes Schweiz, der über 330'000 Mitglieder zählt. Zudem ist er Chefredaktor der Zeitung «Der Hauseigentümer» mit einer Leserschaft von fast 600'000 Personen. «Meine Frau und meine drei Töchter halten mich am Boden», erzählte Gmür lachend über seinen beruflichen Erfolg. Er beteuerte zudem, dass seine Familie neben allen seinen Tätigkeiten immer noch das Wichtigste für ihn sei. Seinen Witz und seinen Charme hat Ansgar Gmür bei seinem Werdegang sicher immer wieder geholfen. Als Hobby tritt er als Bauchredner auf und hat eine nebenberufliche Solistenausbildung als Tenor am Konservatorium in Zürich absolviert. Eine Sammlung an eindrücklichen und lustigen Geschichten hat Gmür in seinem Buch «Best of Ansgar» veröffentlicht.

Immobilienbranche

«Die Immobilienbranche hat sich in den letzten Jahren rasant verändert», meinte Gmür. Die neusten Berichte beurteilten die Branche sehr negativ, wobei die Auswirkungen für den Direktor des Hauseigentümerverbandes direkt spürbar sind. Laut Gmür hätten sich vor fünf Jahren die Interessenten noch regelrecht um Immobilien gerissen, heute hingegen ständen viele leer, da es keine Käufer gibt. Die aktuell 61'000 leeren Mietwohnungen verursachen hohe Kosten mit steigender Tendenz. Gleichzeitig existiert mit der Zuwanderung und dem neuzeitlichen Bedürfnis nach mehr Wohnraum eine grosse Nachfrage für günstige Immobilien an guter Lage. Gmürs Credo dazu lautet: «Es hilft nichts, schwarz zu sehen, jedoch sollte man beim Bewerten und Kaufen von Immobilien gut aufpassen. »

Den Glauben wiedergefunden

Nach seiner streng katholischen Erziehung verlor Ansgar Gmür eine Zeit lang seine Beziehung zum Glauben. Durch einen Freund fand er jedoch seinen Weg zu Gott und zur Bibel wieder. Er hat sich bewusst entschlossen, Christus in sein Herz aufzunehmen: «Ich lese jeden Tag in der Bibel und bete täglich. Dies hat mir das Leben nicht einfacher gemacht, aber ich habe nun Hoffnung und Gottvertrauen.» Gmür betonte, dass man Gott gegenüber jeden Tag dankbar sein und sich vor Augen führen soll, wie gnädig er ist. Sein Interesse für die Bibel führte dazu, dass er – neben seinen beruflichen Aktivitäten – nun Theologie studiert. Gmür hat sein Fundament gefunden, das er als «sicheren Fels» beschreibt und aus dem er Hoffnung schöpfen kann.

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Respekt, Fairness, Verantwortung
Mit Anlässen zu aktuellen Themen fördert die Vereinigung christlicher Unternehmer VCU den Erfahrungs- und Meinungsaustausch unter den Mitgliedern sowie mit Fachleuten und interessierten Gästen. Hauptfokus ist laut VCU-Präsident Louis Dreyer dabei das «Wirtschaften mit Werten». Ziel der Vereinigung ist es, ihren Mitgliedern unternehmerische, gesellschaftliche und ethische Impulse zu vermitteln und ihre Verantwortung im Umgang mit Gesellschaft und der Welt wahrzunehmen. Dies ganz nach dem Motto: «Respekt – Fairness – Verantwortung».

Verfasser: Sophie Brogle, MACH AG, Baden
Kontakt: Louis Dreyer, Präsident VCU AG/SO, c/o MACH AG, Baden


Poetisch-verspielte Jahreseröffnung: 3-Königs-Anlass 2017

Gesellig, erheiternd und informativ. So erlebten wir unseren Jahresauftakt 2017 am Samstag, 7. Januar 2017. In der wunderschön restaurierten Aarauer «Kettenbrücke» betreuten uns Direktor Harald Raab und eine tüchtige Crew.

Im Zentrum standen die Präsentation des Jahresprogrammes 2017 sowie der gastronomische und unterhaltende Teil mit dem Clown-Duo Lola & Peppina.

«Kettenbrücke» Aarau: Tradition und Moderne

Die «Kettenbrücke» gehört zu Aarau fast wie die Aare selbst. Lange will die Liegenschaft keiner haben. Bis 1830 ein Rohbau für das neue Zollhaus, wird das Haus erst acht Jahre später in eine Gaststätte umfunktioniert. Nach dem Bau des Flussüberganges mit der soliden Kettenbrücke bekommt das Haus 1852 seinen noch heute gültigen Namen. Badewirtschaft, Bierdepot und 1910 endlich Hotel, wird das Lokal lange Jahrzehnte erfolgreich von der Familie Frey bewirtschaftet.

Später übernimmt unser Mitglied Werner Eglin die Liegenschaft und eröffnet März 2016 das 4-Sterne-Designhotel. Tradition und Moderne sind damit vereint. Und Aarau ist um ein Bijoux reicher. Wir werden uns hier sehr wohlfühlen.

Clownerie – verspielt, bewegt, poetisch

Im Seit fünf Jahren spielen Lola & Peppina als Clownduo zusammen, an Strassentheater-Festivals, an feierlichen und kulturellen Anlässen – und seit kurzem mit ihrem Abendprogramm. Beide aus dem Aargau, absolvierten sie die Clownausbildung bei Yve Stöcklin in Basel. Mit klassischer Clownerie sprechen sie uns an – verspielt, bewegt, poetisch. Trotz manch alltäglicher Stolpersteine verlieren Lola & Peppina nie die Lebensfreude, den Mut oder ihren Charme und lassen uns gerne teilhaben an der Farbigkeit Ihres Erlebens. Wir unterhielten uns vortrefflich mit diesem feinen Humor.

Autor: Louis Dreyer

Christenverfolgung im Nahen Osten

Die christliche Minderheit im Nahen Osten leidet mehr als andere Gruppen unter den Bürgerkriegswirren im Nahen Osten. Die Christen werden gezielt verfolgt, vertrieben und ermordet. Die Hintergründe der Massenflucht beleuchteten Martin Halef und Adrian Hartmann vor der Vereinigung Christlicher Unternehmer (VCU) AG/SO. Aufgrund der aktuellen Ereignisse und weil sie sich grundsätzlich für die Thematik engagiert, hatte die VCU diese Veranstaltung ausserplanmässig in ihr Programm aufgenommen. Ein voller Saal folgte am 24. November 2016 in Aarau gebannt den Ausführungen.

Martin Halef wurde in der Türkei geboren …

… und ist mit acht Jahren in die Schweiz migriert. Heute ist er Schweizer Bürger. Er ist Inhaber der HypoPartners AG in Altendorf und Mitglied der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien sowie Vorstandsmitglied der Föderation der Foundation Nisibinensis, Stiftung für die Förderung aramäischer Studien der Aramäer in der Schweiz. Durch seine Wurzeln hat Halef einen starken Bezug zum Leid der Christen im Nahen Osten.

Adrian Hartmann hat an der Uni Bern …

… Geschichte, Russistik und öffentliches Recht studiert. Er ist Projektmitarbeiter für die Christian Solidarity International CSI und berichtete speziell über die Situation im Irak. Er bereiste bereits zum sechsten Mal den Irak und unterstützt Hilfswerke vor Ort.

«Entleerung» des Nahen Ostens von den Christen

Bekannt sind die Bilder von Flüchtlingsströmen, von verzweifelten Familien, vom Bürgerkrieg in Syrien und vom Schrecken der Terrorherrschaft des Islamischen Staates. Darunter leiden viele Minderheiten – besonders die Christen, welche zunehmend aus ihrer Heimat, der «Wiege der Christenheit» fliehen müssen. Halef erklärte die Taktik des Islams bei der Verfolgung seines Ziels, den Nahen Osten von den Christen zu «entleeren». Die Zahlen dazu sind erschreckend: Man spricht von 75% aller Christen im Nahen Osten, die bereits geflohen sind. «Dieser Exodus wird bewusst und taktisch beschleunigt».

Halef beschrieb brutale Methoden, die zur Anwendung kommen. So werden Christen zur Abschreckung öffentlich und medienwirksam gefoltert und ermordet, um Unruhe und Angst zu stiften. Dabei fühlen sich die leidenden Christen im Nahen Osten vom Westen im Stich gelassen: die Freie Syrische Armee (FSA), welche für viele Schandtaten an den Christen verantwortlich ist, wird unter anderem von den USA finanziell unterstützt.

Halef ist überzeugt: «Der Westen trägt Mitverantwortung am Leid der Christen im Nahen Osten». Aufschlussreich sind die unterschiedlichen Wahrnehmungen hier und dort. Während wir im Westen die Anti-Assad-Front auf der Seite der «Guten» glauben, sehen die Christen im Nahen Osten Russland als ihren Befreier.

Stillschweigen in den westlichen Medien

Hartmann berichtete Bedrückendes von seinen Reisen und Projekten im Irak; er schilderte die Situation der Flüchtlingsfamilien, welche jeglichen Besitz verloren haben und die nach Kurdistan flüchten mussten, wo sie weder die Sprache verstehen, noch Arbeit finden können. Tausende werden zudem mehrfach vertrieben. Trotz den erschreckenden Bildern und Schicksalen wird in den westlichen Medien kaum über die Christenverfolgung im Nahen Osten berichtet. Halef erklärte diese Tatsache damit, dass «... das Stillschweigen zur Verfolgung und Ermordung im Westen politisch opportun erscheint». Er statuierte zudem, dass er zwar überzeugter Demokrat ist, dem Nahen Osten jedoch nicht eine Demokratie aufgezwungen werden kann: «Es ist ein Demokratisierungsprozess, der von innen heraus entstehen soll». Die Botschaft des Abends lautete, gegenüber allen Flüchtlingen Solidarität zu zeigen und sich sowie sein Umfeld für das Leid der Christen zu sensibilisieren.

Das meinten Besucher dazu

«Für mich war das Referat sehr eindrücklich. Vor allem die westliche Verblendung erschreckte mich. Ich finde es verrückt, dass die Beispiele zeigen, dass sich die Lage nach dem Fall eines Diktators entgegen der Erwartung immer stärker verschlimmert.»
Martin Freiburghaus, Aarau

«Mich stört es, dass Probleme der Christen ständig relativiert werden und auf andere leidende Gruppierungen verwiesen wird. Fakt ist: Ich kann kaum eine Aussage zum Leid der Christen machen, ohne negative Kommentare zu erhalten. Ich sehe darin eine Tabuisierung des Problems. Zudem macht es mich sehr betroffen, von den tragischen Schicksalen zu hören und zu erfahren, dass die dort lebenden Christen sich vom Westen im Stich gelassen fühlen.»
Marianne Binder-Keller, Präsidentin CVP Aargau, Baden

«Ich sage es immer wieder, es ist eine Schande, dass im Westen so wenig über diese Thematik berichtet wird. Wenn man vom Leid der Christen im Spezifischen redet, wird man hier als Kreuzritter bezeichnet. Doch das ist etwas anders. Zudem verfolgen wir Christen keine Muslime, so wie Muslime uns verfolgen.» Paul Neuweiler, Forch

«Ich bin sehr betroffen vom Thema dieses Referates. Es trifft mich vor allem deshalb besonders emotional, weil ich eine Tante habe, deren Ehemann aus der Türkei stammt und Muslim ist. Ich erlebe deshalb die Integration und deren Schwierigkeiten hautnah mit. Besonders schwierig finde ich das patriarchalische Familiensystem.»
Gisela Scherrer, Klingnau

Der deutsche Hochrhein und der Aargau – Nachbarn oder Konkurrenten?

Martin Albers, vormaliger Bürgermeister von Waldshut-Tiengen, referierte am 27. Oktober 2016 an einem öffentlichen VCU-Anlass über die Beziehung der Aargauer Grenzgebiete mit ihren deutschen Nachbarn. Wie nah sind sich die beiden? Ist das Verhältnis von mehr, womöglich auch verbindenden Elementen geprägt, als bloss von Arbeit, Einkauf und Fluglärm? Martin Albers bot den Gästen des öffentlichen Anlasses, darunter zwei Berufsschulklassen und mehrere namhafte Persönlichkeiten, einen interessanten Einblick in politische und wirtschaftliche Situationen, mit denen er während seiner Amtszeit als Bürgermeister zu tun hatte.

«Was wäre, wenn es die Grenze nicht gäbe?», …

… mit dieser Frage stieg Martin Albers ins Thema ein. In den 25 Jahren, in denen er Oberbürgermeister von Waldshut-Tiengen war, beschäftigte er sich oft und intensiv mit dieser Thematik. Eine einfache Antwort auf seine Einstiegsfrage gibt es wohl kaum, jedoch konnte Albers den Zuhörern einen spannenden Einblick in seine Tätigkeit mit der Grenze geben. Er beschreibt den deutschen Hochrhein und den Aargau als «Nachbarn, die nebeneinander herleben, ohne Notiz voneinander zu nehmen». Früher war die Grenze bedeutend weniger dominant, der Zweite Weltkrieg und der damit einhergehende Nationalismus habe die Grenze jedoch verstärkt, was heute immer noch spürbar ist.

Deutsche Grenzgänger und Auswanderer

Die deutschen Grenzgänger sind in der Schweiz schon lange bekannt: ob Pflege- oder Fachpersonal, in fast allen Bereichen sind deutsche Grenzgänger in der Schweiz angestellt. Seit 2002 hat die Zahl der Grenzgänger aus dem Hochrhein-Bodensee-Gebiet um 50 % zugenommen. Doch stellen die Deutschen lange nicht den grössten Anteil an Grenzgängern in der Schweiz; denn mit nur ca. 20 % werden sie von Grenzgängern aus Frankreich (52 %) und Italien (23.9 %) weit überholt. Speziell im Fall von Waldshut ist, dass Grenzgänger nicht nur in unserem Kanton arbeiten, sondern sehr viele Deutsche von Waldshut auch nach Basel, Zürich und Schaffhausen pendeln.

Doch die Zahl der in die Schweiz ausgewanderten Deutschen übetrifft alles: Immer mehr Deutsche aus dem Hochrheingebiet ziehen in die Schweiz, um von den Angeboten hier zu profitieren, wodurch die Bevölkerung im deutschen Gebiet stetig abnimmt. Was den Tourismus angeht, hat Albers Überraschendes gezeigt: Obwohl im Schwarzwald zwar viele Schweizer Tagesgäste gezählt werden, dominieren bei den Übernachtungen deutsche Gäste bei weitem.

Der Fluglärm und seine Folgen

Es ist ein Thema, das polarisiert: der Fluglärm des Flughafens Zürich. Der Flughafen ist nur 15 Kilometer Luftlinie von der deutschen Grenze entfernt, weshalb der Lärm nicht nur eine Angelegenheit der Schweizer, sondern auch der süddeutschen Bevölkerung ist. Die Verhandlungen zwischen Zürich und dem deutschen Hochrhein über einen Staatsvertrag wurden 2015 aufgrund von unüberbrückbaren Positionen auf Eis gelegt, und es bleibt ein brisantes Thema, welches die Beziehung der beiden Länder in Zukunft noch belasten wird. Die beiden Seiten seien sich nicht auf Augenhöhe begegnet, sondern, so Albers, die Zürcher seien lange sehr arrogant aufgetreten. Und die Diskussionen wären ganz anders verlaufen, würde die Grenze weiter nördlich liegen. Albers ist überzeugt: «Wenn der Staatsvertrag angenommen worden wäre, gäbe es viel weniger Probleme. »

Zusammenarbeit über die Grenzen hinaus

«Die Grenze ist in den Köpfen» – so beschreibt Albers die nicht nur wirtschaftlich, sondern auch emotional geprägte Situation. Dadurch, dass die Schweizer bedeutend mehr verdienen und in Deutschland einkaufen, haben die Deutschen sowohl Vor- als auch Nachteile. Einerseits profitieren sie wirtschaftlich eindeutig vom Schweizer Einkaufstourismus, anderseits entsteht dadurch aber eine enorme Abhängigkeit, die auch psychologisch negative Auswirkungen hat. Die Unterschiede in der Kaufkraft sowie der starke Franken und das grosse Lohngefälle erzeugen bei den Deutschen nämlich ein Minderwertigkeitsgefühl gegenüber den Schweizern, denn «Ungleichheiten der Grenze werden als ungerecht empfunden». Albers sieht die Lösung für die Grenzgebiete darin, dass eine stetige Zusammenarbeit und ein reger Austausch über die Grenzen hinaus gefördert und gepflegt werden soll, um die Grenze so gering wie möglich zu halten.

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Respekt, Fairness, Verantwortung

Mit Anlässen zu aktuellen Themen fördert die Vereinigung christlicher Unternehmer VCU den Erfahrungs- und Meinungsaustausch unter den Mitgliedern sowie mit Fachleuten und interessierten Gästen. Hauptfokus ist laut VCU-Präsident Louis Dreyer dabei das «Wirtschaften mit Werten». Ziel der Vereinigung ist es, ihren Mitgliedern unternehmerische, gesellschaftliche und ethische Impulse zu vermitteln und ihre Verantwortung im Umgang mit Gesellschaft und der Welt wahrzunehmen. Dies ganz nach dem Motto: «Respekt – Fairness – Verantwortung».

Bilder von oben:

Martin Albers, ehemaliger Bürgermeister von Waldshut-Tiengen, referierte bei der VCU Aargau/Solothurn über die Situation der deutschen und schweizerischen Grenzgebiete, die sich gegenseitig stark beeinflussen.

Die öffentliche Veranstaltung fand im Berufs- und Weiterbildungszentrum Brugg (BWZ) statt.

An der VCU-Veranstaltung in Brugg nahmen auch Vertreter des örtlichen Gewerbes statt. Der frischgewählte Grossrat Andreas Meier aus Klingnau (rechts) vertrat dabei das Zurzibiet. Her mit Louis Dreyer, Präsident der VCU Vereinigung Christlicher Unternehmer Aargau/Solothurn.

Von links: Dr. Jack Iseli, VCU-Vorstand, Vanessa Edmeier, Geschäftsführerin der deutsch-schweizerischen Hochrheinkommission, Martin Albers, vormaliger Oberbürgermeister Waldshut-Tiengen, Louis Dreyer, Präsident VCU AG/SO, Max Zeier, VCU-Vorstand und Schulvorstandspräsident BWZ Brugg.

Die Aargauer Zeitung berichtete über diesen Anlass

Eventtechnik: Blick hinter die Kulissen von «Rigoletto»

Matthias Hösli, Geschäftsinhaber der Firma Megatron Veranstaltungstechnik AG in Mellingen, referierte bei der VCU über seine Arbeit in der Eventtechnik. Ob Veranstaltungen in Wirtschaft, Unterhaltung oder Politik, Megatron sorgt bei der Inszenierung für die gewünschten Showeffekte. Hösli ermöglichte den Mitgliedern der VCU Vereinigung Christlicher Unternehmer AG/SO einen spannenden Einblick in seine Branche. Dabei illustrierte er die Tätigkeit seines Unternehmens vor allem anhand der Inszenierung von «Rigoletto» der Oper Schenkenberg.

Matthias Hösli …

… ist seit 2004 Geschäftsführer der Megatron Veranstaltungstechnik AG. Seit 2015 besitzt er die Aktienmehrheit. Sein gut eingespieltes Team besteht aus 13 Mitarbeitern und einem Fachpool mit qualifizierten Freelancern. «Ohne Team funktioniert nichts, es ist der Kern der Megatron». Man merkt, dass Hösli sein gut funktionierendes und erfahrenes Team schätzt. Matthias Hösli ist VCU-Mitglied.

Die Megatron zählt heute zu den Spitzenreitern …

… in der Branche der Eventtechnik. Sie überzeugt bei Grossevents seit Jahren mit Professionalität, Erfahrung und technischer Kompetenz: Erfolgreiche Beispiele sind «Art on Ice» oder «Pirelli Night». 2014 wurde die Gytronic AG, Aarau, übernommen, welche sich auf Entwicklung, Produktion und Installation von Sprach-, Musik- und Evakuierungsanlagen spezialisiert hat. Migros, Jumbo oder IKEA sind hier einige der namhaften Gytronic- Kunden.

Festinstallationen und Location Support

Die Megatron ist in den beiden Bereichen Veranstaltungs- und Installationstechnik tätig. Die Installationstechnik wird beispielsweise in den technischen Ausstattungen von Schulzimmern, Restaurants, Gemeindezentren oder in den akustisch anspruchsvollen Kirchenbeschallungsanlagen benötigt. Dabei ist die Megatron zuständig für die Audio-, Licht- und Präsentationstechnik, die sowohl indoor als auch outdoor benötigt wird. In der Veranstaltungstechnik hingegen geht es vor allem um einzelne Events, bei denen die Technik eingerichtet wird. So ist die Megatron beispielsweise seit 2014 für den technischen Support des World Trade Center in Zürich zuständig und organisiert alles rund um Technik, sei dies für Businessmeetings, Generalversammlungen oder weitere Veranstaltungen.

Oper Schenkenberg: wechselhafte Erfolgskurve

Bereits im Jahre 2010 war Megatron für die Technik der Oper Schenkenberg zuständig, damals mit «Carmen» von Bizet. Der Event war technisch enorm aufwendig: 250 Scheinwerfer, 66 Lautsprecher, 86 Mikrofone und 12'000 Meter Kabel wurden benötigt. Man lag dabei gut im Budget. 2013 folgte «Il Trovatore» von Verdi. Bei dieser Inszenierung hatte sich die Menge des technischen Materials beinahe verdoppelt. Während das Budget aber anstieg, blieb die Besucherzahl konstant. Bei «Rigoletto» 2016 wurden die Dimensionen einem bescheideneren Budget angepasst, dafür aber kurzfristiger geplant. Die in Brugg-Windisch inszenierte Oper war dieses Jahr finanziell zwar wieder erfolgreicher. Ob er beim nächsten Mal aber erneut für die Technik zuständig sein wird, ist noch unklar. Hösli glaubt aber an die Zukunft des Events.

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Respekt, Fairness, Verantwortung

Mit Anlässen zu aktuellen Themen fördert die Vereinigung christlicher Unternehmer VCU den Erfahrungs- und Meinungsaustausch unter den Mitgliedern sowie mit Fachleuten und interessierten Gästen. Hauptfokus ist laut VCU-Präsident Louis Dreyer dabei das «Wirtschaften mit Werten». Ziel der Vereinigung ist es, ihren Mitgliedern unternehmerische, gesellschaftliche und ethische Impulse zu vermitteln und ihre Verantwortung im Umgang mit Gesellschaft und der Welt wahrzunehmen. Dies ganz nach dem Motto: «Respekt – Fairness – Verantwortung».


Kontakt: Louis Dreyer, Präsident VCU AG/SO, c/o MACH AG, Baden


Priorin ist auch Unternehmerin – VCU besuchte Kloster Fahr

Kürzlich nahm eine beachtliche Besucherschar Einblick in das Kloster Fahr, das zwar auf Zürcher Boden liegt, aber zur Aargauer Gemeinde Würenlos gehört. In einer eindrücklichen Begegnung mit Priorin Irene lernten wir, dass rund 20 Benediktinerinnen und 30 Mitarbeitende den Klosterbetrieb bewirtschaften, und das erfolgreich. Die VCU Vereinigung Christlicher Unternehmer Aargau/Solothurn zeigte sich beeindruckt von den unternehmerischen Leistungen.

«Alles mit Mass!», …

… diese Regel des Ordensgründers Benedikt prägt das Leben im Frauenkloster. Sechsmaliges Beten und die Einkehr haben Vorrang vor allen anderen Tätigkeiten. In ihrem Referat machte Priorin Irene aber klar, dass die Effizienz gerade deswegen nicht leide. Als Verantwortliche Leiterin hat sie beachtliche unternehmerische Verantwortung. 50 Hektaren Landwirtschaftsfläche und 4 Hektaren Weinberge wollen bewirtschaftet sein, dazu kommen Klosterladen, Imkerei, Paramentenproduktion und 50 Milchkühe. So hatte sie selbst vor drei Jahren den mutigen Entscheid gefällt, die stark defizitäre Bäuerinnenschule aufzugeben, und die Mittel zu konzentrieren. «Heute schreiben alle Bereiche schwarze Zahlen, wir sind selbsttragend», hält sie ganz bescheiden fest

Seit 2008 Teil von Würenlos

Er schenke seinen ausgedehnten Grundbesitz an der Limmat dem Kloster Einsiedeln, wenn es hier ein Frauenkloster errichte und erhalte. So lautete das Vermächtnis von Freiherr Lütold II. von Regensberg aus dem Jahre 1130. Seit dem 1. Januar 2008 ist das Kloster Fahr Teil der Aargauer Gemeinde Würenlos und ist von der Zürcher Gemeinde Unterengstringen umgeben. Basis ist ein über 60seitiger Staatsvertrag zwischen den Kantonen Zürich und Aargau, der alle wichtige Dinge regelt. «Es ist eindrücklich, so einen Vorgang erleben zu dürfen» sagt dazu die Priorin. Der Kulturkampf sei übrigens vorbei, und als Verantwortliche erlebe sie grossen Goodwill seitens der beiden beteiligten Kantone.

Innen Aargau, aussen Zürich

Fahr und Einsiedeln bilden ein Doppelkloster, und der Abt von Einsiedeln ist seit jeher auch Abt des Klosters Fahr. Der Schwesterngemeinschaft steht deshalb nicht eine Äbtissin, sondern eine Priorin vor: Priorin Irene Gassmann ist seit 1986 Benediktinerin und wurde 2003 von ihren Mitschwestern zur Priorin gewählt. Der Schwesternbestand bewegte sich in den achtziger Jahren noch zwischen 40 und 50, heute sind es noch 20 Ordensfrauen. Das Verhältnis zu Einsiedeln ist rechtlich geklärt und man treffe sich einmal wöchentlich, um betriebliche Fragen zu besprechen. Die Lage der Aargauer Enklave auf Zürcher Boden erzeugt skurrile Situationen. So steht die Holzschnitzelheizung auf Zürcher Boden, untersteht also der Zürcher Gesetzgebung, während die damit beheizten Gebäude Aargauer Hoheitsgebiet sind. Gibt es im Picknickbereich des benachbarten Restaurants «Zu den Zwei Raben» Probleme, rückt die Zürcher Polizei an, während für Fälle im Innenbereich des Restaurants die Aargauer Kollegen zum Rechten schauen …

Viel Geld für die langfristige Sanierung

Zurzeit läuft ein grosses Sanierungsprojekt, das sich über 20 Jahre erstreckt und rund 20 Millionen Franken erfordert. Aktuell ist zeitlich gesehen«Halbzeit», finanziell ist man etwas darüber. Man ist also weiter gefordert, und Badens vormaliger Stadtamann, Josef Bürge, der als Mitglied der Gruppe Finanzen die bislang erfolgreiche Mittelbeschaffung kommentierte, hat grossen Respekt vor der Aufgabe. Malereien, Bausubstanz, Vermeidung irreparabler Schäden, Sicherheit und energetische Verbesserungen stehen im Vordergrund. Zum Kloster Fahr gehören die barocke Klosteranlage und rund zwanzig Nebengebäude. Der Finanzbedarf für diese Sanierungen und Restaurierungen wird auf 20 Millionen Franken geschätzt, davon sind aktuell rund 12 Millionen gesichert.

Auf zum Pilgermarsch nach Rom

VCU-Präsident Louis Dreyer zeigte sich in seinem Abschiedswort beeindruckt, sowohl von der Persönlichkeit der Priorin als auch von den Leistungen der Klostergemeinschaft. In einer spontanen Aktion sammelten die VCU-Besucher einen beachtlichen Betrag als Spende für die laufenden Sanierungsarbeiten. Der Abend endete mit einem ausgezeichneten Nachtessen bei den «Zwei Raben». Leider ohne die Priorin, die unmittelbar nach der Führung ihren Rucksack packte und nach Assisi abreiste. Von dort marschiert sie im Rahmen der Aktion «Für eine Kirche mit den Frauen» gen Rom. Sie freue sich darauf, liess sie per Facebook wissen. Wir wünschen bei dieser starken Manifestation viel Erfolg!
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Respekt, Fairness, Verantwortung

Mit Anlässen zu aktuellen Themen fördert die Vereinigung christlicher Unternehmer VCU den Erfahrungs- und Meinungsaustausch unter den Mitgliedern sowie mit Fachleuten und interessierten Gästen. Hauptfokus ist laut VCU-Präsident Louis Dreyer dabei das «Wirtschaften mit Werten». Ziel der Vereinigung ist es, ihren Mitgliedern unternehmerische, gesellschaftliche und ethische Impulse zu vermitteln und ihre Verantwortung im Umgang mit Gesellschaft und der Welt wahrzunehmen. Dies ganz nach dem Motto: «Respekt – Fairness – Verantwortung».


Autor:
Louis Dreyer, Huttenacherstrasse 10, 5452 Oberrohrdorf, ldeyer@machbaden.ch

«Engpässe im Autobahnnetz sind schnell zu beseitigen!»

VCU Business-Lunch mit Thierry Burkart

Das Eine funktioniere ohne das Andere nicht – Nationalrat Thierry Burkart plädiert für eine Gesamtschau, wenn es um nationale Verkehrsfragen geht. Insbesondere die chronischen Engpässe müssten vorrangig ausgebaut werden. Burkart referierte vor der VCU in Aarau über die «Schweizer Verkehrspolitik zwischen Anspruch und Wirklichkeit».

Unsere Strassen werden aufgrund des Bevölkerungswachstums und der damit einhergehenden Mobilitätssteigerung immer stärker beansprucht. Davon sind die Nationalstrassen am stärksten betroffen: rund 43 % des Strassenverkehrs wickelt sich auf Nationalstrassen ab, diese machen aber nur 2,5 % des gesamten Strassennetzes aus.

Aargauer A1 ausbauen auf sechs Spuren

Diese Überlastung führt zu einem Dichtestress, der viele Staustunden und -kilometer mit sich bringt. Insbesondere die Agglomerationen sind bis an die Kapazitätsgrenze belastet. «Wir kommen nicht umhin, diese Staustellen zu beseitigen, und die A1 auf Aargauer Boden muss auf 6 Spuren erweitert werden», so Burkart. Um leistungsfähige Autobahnen und Zubringer sicherzustellen, wird bis 2040 mit einem Investitionsbedarf von rund 70 Milliarden Schweizer Franken gerechnet.

Finanzen für den Strassenausbau langfristig sichern

«Wir müssen vom ideologischen Kampf zwischen öffentlichem Verkehr und Autofahren wegkommen. Die allermeisten Menschen sind multimodal unterwegs», zeigt Burkart auf. «Um die wachsenden Mobilitätsbedürfnisse der Bevölkerung erfüllen zu können, braucht es ein ganzheitliches Konzept.» Vor allem die strategische Entwicklung und Engpassbeseitigung müssten dabei im Vordergrund stehen. Nach der Annahme der FABI-Initiative (Finanzierung und Ausbau der Bahninfrastruktur) im Februar 2014 werde es nun höchste Zeit für eine langfristig gesicherte Finanzierung der Schweizer Strassen.

Dazu stehen momentan zwei Vorlagen zur Debatte: Die «Milchkuh»-Initiative, die im Juni 2016 zur Abstimmung kommt, und der von der Kommission für Verkehr und Fernmeldungen ausgearbeitete Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehr-Fonds NAF, über den wir 2017 abstimmen werden.

Sparsamere Autos, weniger Geld aus Treibstoffsteuern

Von allen Strassen- und Autosteuern – im Jahr 2014 ca. 9,2 Milliarden Franken – werden momentan nur 32 % in den Strassenverkehr investiert. Aus Mineralölsteuer und Mineralölsteuerzusatz sind es rund 40 %. Die «Milchkuh»-Initiative verlangt, dass der gesamte Betrag von ca. 3 Milliarden Franken für den Strassenverkehr aufgewendet wird und die Autofahrer somit nicht auf diesem Weg den Schienenverkehr und die Bundeskasse mitfinanzieren.

Die NAF-Vorlage ist etwas differenzierter, …

… und darum komme die Milchkuh-Initiative im falschen Moment, so Burkart. Der Fonds soll über die Automobilsteuer, einen Teil der Mineralölsteuer (ca. 60%) und eine Steigerung des Benzinpreises finanziert werden. Die genaue Formulierung hängt vom Abstimmungsresultat vom 6. Juni 2016 ab.

Die Fiskalleistungen aus dem Strassenverkehr kommen aus verschiedenen Quellen zusammen. Momentan nehmen diese Einnahmen noch zu, da mehr Verkehr auf den Strassen auch mehr Abgaben an den Staat bedeuten. Weil aber die Autos immer sparsamer fahren, sinken die Einkünfte aus Mineralölsteuer und Mineralölsteuerzuschlag.

Tunnelgebühren und Maut sind problematisch

In der lebhaften Diskussion wurde auf die vielen Kreisel hingewiesen, die flächendeckend und in vielfach fast luxuriöser Qualität im Aargau gebaut würden, da müsse doch viel Geld vorhanden sein. Burkart wies darauf hin, dass es sich hier um kantonale «Kässeli» handle, auf die der Bund keinen Zugriff habe.

Warum denn keine Tunnel- und Streckengebühren nach ausländischem Vorbild? Auf den ersten Blick scheint es, als gäbe es noch viele weitere Möglichkeiten, Geld für Strassenbauprojekte einzunehmen. Theoretisch wäre es möglich, eine Maut einzuführen. Dieser Vorschlag ist allerdings mit der Grundhaltung, dass man sich in der Schweiz völlig frei bewegen können soll, nicht kompatibel und wird insbesondere vom Kanton Tessin im Zusammenhang mit dem Gotthardtunnel vehement bekämpft.

Die Verfassung liesse die Einführung einer Maut zwar theoretisch zu, aber eine Umsetzung, die alle Kantone gerecht behandelt, wäre äusserst komplex. Ein weiterer, viel diskutierter Vorschlag möchte eine Gebühr für Ausländer auf den Schweizer Strassen einführen. Das wird jedoch durch das Diskriminierungsverbot in einem Abkommen mit der EU verhindert.

Respekt, Fairness, Verantwortung

Mit Anlässen zu aktuellen Themen fördert die Vereinigung christlicher Unternehmer VCU den Erfahrungs- und Meinungsaustausch unter den Mitgliedern sowie mit Fachleuten und interessierten Gästen. Hauptfokus ist laut VCU-Präsident Louis Dreyer dabei das «Wirtschaften mit Werten». Ziel der Vereinigung ist es, ihren Mitgliedern unternehmerische, gesellschaftliche und ethische Impulse zu vermitteln und ihre Verantwortung im Umgang mit Gesellschaft und der Welt wahrzunehmen. Dies ganz nach dem Motto: «Respekt – Fairness – Verantwortung».

Autor: Louis Dreyer

«Es trifft Dich wie ein Blitz!» - Referat von Guido A. Zäch

«Innert Sekunden verändert sich Dein Leben grundlegend». Mit diesen drastischen Worten schildert Dr. Guido Zäch das Schicksal der Querschnittgelähmten. Und er plädiert vehement dafür, dass diesen Menschen das Recht auf ein selbstständiges Leben eingeräumt wird. Zäch referierte an einem öffentlichen Anlass der Vereinigung Christlicher Unternehmer (VCU) in Aarau.

Im hohen Alter unglaublich vital

Dr. Guido A. Zäch gilt als Vater der ganzheitlichen Rehabilitation von Querschnittgelähmten in der Schweiz. Man spürt sein Engagement, das trotz seines Alters von 81 Jahren ungetrübt ist. «Ich heisse Zäch und bin es auch» – getreu dem Motto auf seiner Website schilderte er trotz eines gebrochenen Armes lebendig, verständlich und kompetent die menschlichen Schicksale, Gründung und Aufbau der Stiftung in Nottwil und die Merkmale der Querschnittlähmung. Ein grosses Publikum, darunter eine Pharmaklasse des KV Aarau, folgte gebannt den Ausführungen in der Aula des KV Aarau.

Unfälle, Erkrankungen und Geburtsgebrechen

In der Schweiz leben etwa 20‘000 Querschnittgelähmte. Davon wurden etwa 50 % durch einen Unfall und 50 % durch eine Krankheit zu Rollstuhlfahrern. «Jährlich werden 30 pro 1 Million Einwohner in der Schweiz durch einen Unfall querschnittgelähmt und ebenso viele durch eine Krankheit.»

Gemäss Zäch sind die Unfallursachen je zu einem Drittel Verkehrsunfälle, Sportunfälle und Sturzverletzungen. Aber auch Krankheiten wie Entzündungen des Rückenmarkes durch Zeckenbisse (Frühsommerencephalitis und Borreliose), Bandscheibenvorfälle, Tumoren, Gefässerkrankungen und Folgen von Multipler Sklerose sowie Geburtsgebrechen wie Spina bifida können zur Querschnittlähmung führen.

Private Initiative ermöglicht gesamtheitliche Behandlungskonzepte

Die kantonale Zuständigkeit des Gesundheitswesens erschwert es, eine gesamtschweizerische Lösung für Spezialbehandlungen bestimmter Leiden zu finden. Auch aus diesem Grunde konnte die Idee einer ganzheitlichen Behandlung für Querschnittgelähmte aus allen Kantonen besser durch die Privatinitiative verwirklicht werden. «Durch die Konzentration der Kräfte konnten und können weltweit anerkannte Resultate erreicht werden», so Zäch. So konnte etwa die Behandlungszeit markant reduziert werden. Die vielfältigen Angebote zur bestmöglichen Behandlung und Rehabilitation werden im Schweizer Paraplegiker-Zentrum Nottwil (SPZ) chancengleich allen Querschnittgelähmten der Schweiz angeboten.

Viele Widerstände zu Beginn

In über 40-jähriger Tätigkeit für Querschnittgelähmte hat Zäch mit Ausdauer, Mut und unerschütterlicher Zuversicht gekämpft für Betroffene und deren Angehörige, für Lösungen und Perspektiven. Entstanden ist in Nottwil ein weltweit einzigartiges Werk der lebenslangen Begleitung, welches Gelähmten bestmögliche medizinische Betreuung und nach erfolgreicher Rehabilitation ein selbstständiges Leben als beruflich und sozial integrierte Mitmenschen ermöglicht.

Die Vision konnte nicht auf Anhieb, sondern erst nach mehreren Anläufen verwirklicht werden. Tatsächlich hatte die Sanitätsdirektorenkonferenz SDK (heute Gesundheitsdirektorenkonferenz GDK) damals das Projekt Nottwil vehement bekämpft. Zäch: «Heute ist dieser Widerstand durch eine gute Zusammenarbeit abgelöst worden.»

Massive Entlastung der öffentlichen Hand

Jährlich werden in Nottwil 1000 Patienten stationär aufgenommen und an 52‘000 Pflegetagen ganzheitlich rehabilitiert. Dazu kommen die Leistungen in den Ambulatorien für Paraplegiologie, Orthopädie und Radiologie sowie in der Schmerzklinik. Die Schweizer Paraplegiker-Stiftung beschäftigt insgesamt 1800 Personen, davon 1100 im Schweizer Paraplegiker-Zentrum. Die Schweizer Paraplegiker-Stiftung SPS ermöglicht es, dass alle Patienten chancengleich aufgenommen werden können und die Differenz zwischen Hospitalisationskosten und Leistungen der Kostenträger stets durch die Stiftung übernommen wird.

Durch die Direkthilfe an Betroffene und ihre Angehörigen ist es möglich geworden, dass 90 % wieder erwerbsfähig werden können und 70 % ohne IV-Rente auskommen. Die Einsparung von 5000 IV-Renten-Auszahlungen ergibt eine jährliche Entlastung von CHF 100 Mio. für die Öffentlichkeit.

«Durch die Verwirklichung der Vision der ganzheitlichen Rehabilitation von Querschnittgelähmten und das Angebot einer umfassenden Leistungskette ist nach jahrzehntelangen Bemühungen ein sinnvolles und befriedigendes Ziel erreicht.» Anschliessend an das Referat folgte eine lebendige Diskussion, moderiert von Jürgen Sahli, Chefredaktor von Radio Argovia. Mit einem langanhaltenden Applaus verdankte das grosse Publikum das bereichernde Referat.

Respekt, Fairness, Verantwortung

Mit Anlässen zu aktuellen Themen fördert die VCU den Erfahrungs- und Meinungsaustausch unter den Mitgliedern sowie mit Fachleuten und interessierten Gästen. Hauptfokus ist laut VCU-Präsident Louis Dreyer dabei das «Wirtschaften mit Werten». Ziel der Vereinigung ist es, ihren Mitgliedern unternehmerische, gesellschaftliche und ethische Impulse zu vermitteln und dabei ihre Verantwortung im Umgang mit Gesellschaft und der Welt wahrzunehmen. Dies ganz nach dem Motto: «Respekt – Fairness – Verantwortung».

Bilder:
Vor einem grossen Publikum referierte Dr. Guido A. Zäch über sein Lebenswerk im Dienst der Querschnittgelähmten in der Schweiz. Rechts: Moderator Jürgen Sahli, Radio Argovia. Das öffentliche Referat wurde von der VCU Vereinigung Christlicher Unternehmer Aargau/Solothurn organisiert.

Autor: Louis Dreyer, Präsident VCU AG/SO

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Wir danken folgenden Gönnern, die uns diesen öffentlichen Anlass ermöglicht haben:

Aargauhotels.ch, Oberentfelden • Andreas Meier, Weingut zum Sternen, Würenlingen • ARFIMA AG, Immobilien & Verwaltung, Aarau • Eglin Immobilien AG, Baden Emil Schmid und Partner AG, Onkel Toms Brocki AG, Wettingen • Gesundheitszentrum Fricktal • Römisch-katholische Landeskirche Aargau • Reformierte Landeskirche Aargau • Schenker Hydraulik AG, Erlinsbach • Seehotel Hallwil, Beinwil am See


Gentechnik – Segen oder Teufelszeug?

«Gentechnische Veränderungen sind längst alltäglich geworden». So Dr. Reto Battaglia, einer der renommiertesten Lebensmittelchemiker der Schweiz, zum kontroversen Thema Gentechnik. Dr. Battaglia sprach vor der VCU Aargau/Solothurn in Aarau.

Nach einer kurzen Übersicht zur Entstehung und den Anwendungsbereichen der Gentechnik sprach Battaglia über das Image der Gentechnik und die ethischen Fragen, die sich unserer Gesellschaft stellen. Im Anschluss stellten die zahlreichen Zuhörer viele Fragen.

Innert 50 Jahren von der Pionierleistung zur Routineanwendung

Vor rund 50 Jahren wurden die Grundsteine für die moderne Gentechnik gelegt: Dank der Entdeckung von Restriktionsenzymen konnten plötzlich Gene kopiert, verändert, transferiert und auf ihre Funktionen untersucht werden. In den Achtzigerjahren wurde die Polymerase-Kettenreaktion entdeckt, die es ermöglicht, DNS-Sequenzen schnell zu vervielfältigen. Dieser technologische Durchbruch führte zu vielen neuen Möglichkeiten in verschiedensten Forschungsgebieten. Innerhalb von relativ kurzer Zeit wurde die Gentechnik zu einem routinemässig verwendeten Mittel in der Wissenschaft. Aber nicht nur: In der Medizin enthalten gewisse Medikamente gentechnisch veränderte Komponenten, und auch in der Lebensmittel- und Saatgutindustrie ist die Gentechnik nicht mehr wegzudenken. Weltweit wurden bisher 175 Genveränderungen an Pflanzen zugelassen.

«Golden Rice» als positives Musterbeispiel

Beispiele für die angewandte Gentechnik sind in verschiedensten Bereichen zu finden. Es ist folglich zu spät, die Gentechnik als Ganzes zu verbieten oder zu verteufeln. In der Onkologie werden zur Behandlung von Krebs Medikamente, deren Wirksamkeit mit Gentechnik zusammenhängt, verwendet. Im Lebensmittelbereich ist man mit der Anwendung von gentechnisch veränderten Inhaltsstoffen wesentlich zurückhaltender. Unsere Gesetzgebung und die intensive Überwachungstätigkeit der Lebensmittelkontrolle sorgen dafür, dass, wo Gentechnik drin ist, auch Gentechnik draufsteht!

Die wohl bekannteste Erfolgsgeschichte aus der pflanzlichen Gentechnik ist das Projekt «Golden Rice». In Ländern, die von grosser Armut betroffen sind, ist der Vitamin-A-Mangel weit verbreitet. Ein Forscherteam der ETH hat daher einen Reis entwickelt, der dank gentechnischer Veränderungen Vitamin A produziert. Nach ausführlichen Prüfungen und langjährigen Diskussionen wird «Golden Rice» inzwischen im kleinen Rahmen angebaut und von einer Mehrheit als positive Entwicklung angesehen. Das Patent ist offen, und das Saatgut ist für Bauern in Entwicklungsländern gratis. Zukünftig könnte «Golden Rice»einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung von Mangelernährung leisten: Millionen von mangelgeplagten Menschen profitieren von dieser gentechnischen Erfindung.?

Wie sieht die Zukunft der Gentechnik aus?

Kaum ein Bereich der Wissenschaft ist so umstritten wie die Gentechnik. Viele sehen darin eine menschliche Überheblichkeit, die das Gleichgewicht der Natur stört. Die Diskussion über Gentechnik werde seit eh und je eher emotional als sachlich geführt, so Battaglia. Es gehe nicht darum, die Gentechnik als Ganzes zu befürworten oder zu verurteilen. Man müsse bei jedem einzelnen Fall entscheiden, ob die Anwendung von Gentechnik sicher, sinnvoll und verantwortbar sei.

Keine Horrorszenarien

Gentechnisch veränderte Produkte werden ausführlich und von verschiedensten Institutionen geprüft und können nach dem heutigen Wissensstand als sicher bezeichnet wer-den. Generell gelte es, die Bevölkerung vorurteilsfrei zu informieren, damit jeder sich eine Meinung bilden kann. «Gentechnik muss allen Laien durch die Fachleute transparent beschrieben werden, so dass ein Mitdenken und Entscheiden auf ethischer Basis möglich ist.» Nur so kann die Gesetzgebung die Standpunkte der Mehrheit auch umsetzen. Es gilt auch zu beachten, dass man nicht heute schon alle Fragen zur Gentechnik abschliessend behandeln kann. Wir entscheiden heute nach dem Wissen und dem Verantwortungsbewusstsein unserer Zeit.

Die Wissenschaft wird weiterhin gentechnische Experimente durchführen und dabei neue Möglichkeiten für verschiedenste Projekte entdecken. Einerseits durch Gesetze und anderseits durch Forschungsgelder können aber wir alle steuern, wohin die Gentechnik sich entwickeln soll. So gibt es ein grosses Lösungspotential für Probleme in Bereichen wie Welternährung, Umweltschutz oder Medizin. «Wer die Gentechnik als Ganzes verteufelt, verschliesst einfach die Augen vor der Realität.»

Respekt, Fairness, Verantwortung

Mit Anlässen zu aktuellen Themen fördert die VCU den Erfahrungs- und Meinungsaustausch unter den Mitgliedern sowie mit Fachleuten und interessierten Gästen. Hauptfokus ist laut VCU-Präsident Louis Dreyer dabei das «Wirtschaften mit Werten». Ziel der Vereinigung ist es, ihren Mitgliedern unternehmerische, gesellschaftliche und ethische Impulse zu vermitteln und dabei ihre Verantwortung im Umgang mit Gesellschaft und der Welt wahrzunehmen. Dies ganz nach dem Motto: «Respekt – Fairness – Verantwortung».


Der Referent: Dr. sc. techn. Reto Battaglia …

… erwarb seine Titel zwischen 1966 und 1972. Er durchlief verschiedene Stationen sowohl in staatlichen als auch in privatwirtschaftlichen Institutionen. So war er von 1973 bis 1988 im Kantonalen Laboratorium Zürich tätig. Ab 1988 hatte er als Direktor im Migros-Genossenschaftsbund die Verantwortung für die Qualitätsüberwachung der Migros-Produkte inne. Im Jahre 2000 wurden die Laboratorien in ein am Markt unabhängiges Dienstleistungsunternehmen umgewandelt. 2006 Gründung einer Beratungsfirma für Fragen der Lebensmittelqualität und -sicherheit. Bis 2012 Tätigkeiten in China. Aktuell diverse Mandate und Lehrtätigkeit am Polytechnic of Namibia in Windhoek. Battaglia ist 1943 geboren und hat 2 Kinder.

Autor: Louis Dreyer


Weltspitze sein und bleiben – aber wie?

Heinz Karrer, Präsident des wichtigsten schweizerischen Wirtschaftsdachverbandes Economiesuisse, referierte an einem öffentlichen Anlass vor der Vereinigung Christlicher Unternehmer VCU im KV Aarau. Seine wichtigste Botschaft: «56 Prozent unserer Exporte gehen in unsere Nachbarländer. Die Schweiz muss die Beziehungen zu den wichtigsten Wirtschaftspartnern in der EU deshalb dringend stabilisieren».

Brillanter Referent

Am öffentlichen Anlass der VCU Aargau/Solothurn legte Heinz Karrer in einem brillanten Referat seine Sicht von der aktuellen wirtschaftlichen Situation der Schweiz dar. Ohne Skript und ohne Folien beeindruckte Karrer die vielen Zuhörer und unterlegte seine Sichtweisen und Thesen stets mit Fakten und Sachverhalten.

Vier Fragen wollte Karrer den Zuhörern beantworten: Wo steht die Schweiz im internationalen Standortwettbewerb? Warum steht sie dort? Wie hat sich das Umfeld entwickelt? Und wie kann man den attraktiven Standort für die Zukunft sichern? In einer anschliessenden Diskussion, die von Patrik Müller, Chefredaktor der «Schweiz am Sonntag» moderiert wurde, kamen besonders auch von einer eingeladenen Berufsmaturandenklasse des KV Aarau viele Fragen.

Schlechten Prognosen getrotzt

«Die Schweiz steht im internationalen Vergleich gut da und belegt in vielen Bereichen Spitzenplätze». Karrer zeichnete mit Bezug auf die aktuelle Position der Schweiz im internationalen Wettbewerb ein sehr positives Bild. Die Schweiz habe als relativ kleines Land das 19.-grösste Bruttoinlandprodukt (BIP) der Welt, tiefe Arbeitslosigkeit – «unter 4 Prozent gilt als Vollbeschäftigung» – eine hohe Innovationsfähigkeit und einen weitgehend gesunden Finanzhaushalt. Wir haben die unabhängigste Nationalbank der Welt, die Staatsverschuldung sei dank der Schuldenbremse im Griff. Überraschend und sehr positiv sei auch der Anteil des Industriesektors von 20 Prozent am BIP, der damit gleich hoch sei wie vor 20 Jahren. Damals habe weitgehend die Überzeugung vorgeherrscht, dass die Schweiz mit ihrem hohen Lohnniveau ihre Arbeitsplätze in diesem Bereich verlieren wu?rde.

Stabilität in massgebenden Bereichen erhalten

In der Folge kam Karrer auf die Gründe für die gute Schweizer Position zu sprechen, so beispielsweise auf die grosse Eigenverantwortung dank föderalistischem System, das freie Unternehmertum, die leistungsfähige Infrastruktur oder den ausgezeichneten Bildungsstandort mit dem dualen System. «Viele Faktoren spielen zusammen, und diesen mu?ssen wir Sorge tragen», so sein Appell. In einer Zeit des gesellschaftlichen Wandels verlieren verschiedene Institutionen wie die Kirche, die Schule oder die Armee an Gewicht, ebenso wie wirtschaftliche und politische Exponenten. Eine zunehmende Skandalisierung und Personifizierung sei in der öffentlichen Diskussion zu beobachten und der innenpolitische Diskurs ganz klar polarisierter geworden. Dies sei in der Schweiz, deren Politik stets konsensorientiert war, nicht unproblematisch. Auch die Exzesse von wirtschaftlichen Führungskräften sprach Karrer an. «Damit ist viel Vertrauen zerstört worden». Dass der jüngste SNB-Entscheid aktuell viel zur Verunsicherung beiträgt, wurde auch von Karrer, u. a. auch Mitglied des Bankrates der SNB, bestätigt.

Wo wollen wir 2020 stehen?

«Vision is a dream with a deadline.» Jede Vision habe ein Verfalldatum, und deshalb gelte es, Ziele bis 2020 zu definieren. In der Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit an der Spitze bleiben und die Vollbeschäftigung erhalten – dies stehe im Fokus. Das ambitionierte Ziel könne durchaus erreicht werden, aber dazu müsse die Schweiz in verschiedenen Bereichen aktiv sein. Das politische Klima sei wirtschaftsfreundlich zu halten. Es gelte den freien Zugang zu anderen Märkten zu erhalten. Die bilateralen Verträge seien nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative unbedingt zu halten. Weiter müsse auch in Zukunft viel in Bildung, Forschung und Entwicklung investiert werden: «Das aktuelle Forschungsabkommen mit der EU ist für die Schweiz existenziell wichtig, aber zurzeit gefährdet». Eine Regulierung sei im vernünftigen Mass anzustreben, so, dass nicht grosse Bürokratie die Unternehmen in ihrer Entwicklung hemmten. Zusätzlich habe die Schweiz trotz einer guten steuerlichen Situation im Finanz- und Steuerbereich noch Steigerungspotenzial. «Aber nicht zuletzt muss der Vertrauenserosion zwischen Wirtschaft und Gesellschaft Einhalt geboten werden. Unternehmer müssen sich wieder in der öffentlichen Diskussion zurückmelden, den Menschen ein positives Bild von der Wirtschaft verschaffen», schloss Karrer.

Respekt, Fairness, Verantwortung

Mit Anlässen zu aktuellen Themen fördert die VCU den Erfahrungs- und Meinungsaustausch unter den Mitgliedern sowie mit Fachleuten und interessierten Gästen. Hauptfokus ist laut VCU-Präsident Louis Dreyer dabei das «Wirtschaften mit Werten». Ziel der Vereinigung ist es, ihren Mitgliedern unternehmerische, gesellschaftliche und ethische Impulse zu vermitteln und dabei ihre Verantwortung im Umgang mit Gesellschaft und der Welt wahrzunehmen. Dies ganz nach dem Motto: «Respekt – Fairness – Verantwortung».

Autor: Louis Dreyer


Bilder von oben:
Heinz Karrer (links), Präsident Economiesuisse, vereinigte in Aarau eine grosse Zuhörerschaft. Rechts Patrik Müller, Chefredaktor der «Schweiz am Sonntag», der die anschliessende Diskussion moderierte. Das öffentliche Referat wurde von der VCU Vereinigung Christlicher Unternehmer Aargau/Solothurn organisiert.

Einen guten Tropfen für den Hobby-Bergsteiger Heinz Karrer aus den Händen von Louis Dreyer, Präsident VCU AG/SO.

Von links: Louis Dreyer, Patrik Müller, Heinz Karrer, Dr. Jack Iseli, Programmchef VCU AG/SO.

Heinz Karrer im angeregten Gespräch mit eingeladenen Schülern der Berufsmaturaklasse M2C des KV Aarau.


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Wir danken folgenden Gönnern, die uns diese Veranstaltung ermöglicht haben:

• aargauhotels.ch
• Aargauische Kantonalbank, Aarau
• Andreas Meier, Weingut zum Sternen, Würenlingen
• ARFIMA AG, Immobilien & Verwaltung, Aarau
• Eglin Immobilien AG, Baden
• Kasper Holding AG, Oberentfelden
• KOPA Laufenburg - Frick - Baden
• Römisch-katholische Landeskirche Aargau
• Reformierte Landeskirche Aargau
• Seehotel Hallwil, Beinwil am See
• Schenker Hydraulik AG, Erlinsbach
• UBS Aarau

VCU auf der Habsburg: Braucht es die traditionelle Gastronomie noch?

Ja, sagt Rolf Kasper, einer der wichtigsten Exponenten in der Aargauer Gastrobranche. Aber die Kundenwünsche haben sich verändert, und die Gastronomie muss sich anpassen. Gleichzeitig verdient die Branche so wenig, dass sie saisonale Einbussen kaum verkraften kann. Die VCU AG/SO nahm kürzlich einen Augenschein auf der Habsburg, wo das Restaurant seit dem 1. April 2014 von Rolf Kasper betrieben wird.

Das Geschäft ist geworden

Wir alle spüren den Umbruch in der Gastronomie. Es war hoch spannend, vor Ort einen Einblick hinter die Kulissen dieses hart gewordenen Geschäftes zu erhalten. Gastgeber Rolf Kasper ist heute einer der wichtigsten Exponenten der Aargauer Hotellerie und Gastronomie. Kasper ist Mitinhaber der Aargau Hotels; die Gruppe umfasst ein Dutzend Hotelbetriebe im Aargau. Kasper ist ausserdem langjähriges VCU-Mitglied.

Gast hat weniger Geld und Zeit

Gastronomen und Wirte und besonders auch wir als Konsumenten stehen heute vor vielen Fragen: Wird die «gewohnte» Gastronomie aussterben? Welche Möglichkeiten eröffnen sich? Was können die Gastronomen machen? Was haben wir als Gäste zu erwarten? «Der Gast will wenig Zeit zum Essen aufwenden, es muss schnell gehen – auch bei Geschäftsessen, und als wichtigste Konsequenz der geänderten Trinkgewohnheiten sind abends ab 21.30 Uhr die meisten Gaststätten leer.» Trotzdem ist eine vielfältige Gastronomie nötig, denn nur noch mit Güggeli oder Burgers drohe eine enorme Verarmung unserer Esskultur.

Betriebswirtschaftlich am Anschlag

Gleichzeitig, so Kasper, hat sich das Angebot massiv verändert. «Conveniance» ist heute aktuell, alle Zutaten sind überall erhältlich. Der Aufwand für das Essen auswärts schwindet im Verhältnis zum Einkommen. Wichtigste unternehmerische Herausforderung ist gemäss Kasper aber der Umstand, dass die Branche eindeutig zu wenig verdient. Saisonale Einbussen können finanziell schwerlich aufgefangen werden. Gleichzeitig sind grosse Investitionen kaum mehr finanzierbar, dabei ist der Kapitalaufwand hoch. «Aber die Banken halten sich bei Kreditvergaben natürlich extrem zurück, hier muss ein Umdenken einsetzen», fordert Kasper.

Neue Gastro-Initiativen in Gemeinden

In der Gastronomie braucht es Ideen und Herzblut, das war schon immer so und wird in Zukunft noch wichtiger. Kasper: «Das grosse Geld ist hier nicht mehr zu verdienen». Dabei ist der Gastrobereich für die Gesellschaft unabdingbar. Viele Lehrstellen und Arbeitsplätze hängen daran, und die Gesellschaft profitiert von gut geführten Gaststätten. Eine neue Entwicklung zeichnet sich auf dem Land ab, wo das Gaststättensterben grassiert. Gemeinden werden sich klar darüber, dass es ohne den geselligen Treffpunkt im Dorf nicht geht, wo sollen die Vereine abends denn hin? Als erfolgreiches Beispiel gilt hier Dürrenäsch, wo die Gemeinde zusammen mit Rolf Kasper ein Kooperationsmodell entwickelt hat, das es betriebswirtschaftlich erlaubt, die ehemalige «Dorfbeiz» wieder aufleben zu lassen. Auch in Rigi-Kaltbad läuft ein ähnliches Projekt; hier hat Kasper mit der Gemeinde, der Bahn und dem Badbetreiber eine IG gegründet, die das Dorf zu neuem Leben erweckt hat.

Genussreicher Ausklang

Was eine leistungsfähige Gastronomie bedeutet, wurde den Gästen spätestens nach dem Anlass klar: Der reichhaltige «Apéro riche» im wunderschönen Schlosshof und das vorzügliche Nachtessen im Schlossrestaurant kamen bei den über 30 VCU-Gästen sehr gut an. Kurz, das Restaurant Habsburg zeigte sich von der besten Seite.

Rolf Kasper …

… wurde im April 1947 geboren und verzeichnet einen bemerkenswerten Werdegang. Nach der Berufslehre zum Mechaniker folgt eine Zusatzausbildung zum Kunstschlosser, gefolgt von der Handelsschule. 1970 Start zur Selbstständigkeit mit einem Schlosserei-1-Mannbetrieb. Anschliessend folgende Entwicklung: Schlosserei – Stahlrohrmöbelfabrik – Möbelfabrik – Immobilien – Hotels – Gastrobetriebe. Die Kasper-Holding umfasst heute mehr als zwei Dutzend Firmen in der Schweiz, davon ein Dutzend Hotels und Gastrobetriebe vornehmlich im Aargau. In allen Firmen sind heute mehr als 650 Mitarbeitende beschäftigt.

Autor: Louis Dreyer

Businesslunch März 2015: «Der Lobgesang auf das duale Bildungssystem macht uns blind!»

«Think global – act local! » unter dieses Motto stellte der Rektor der BBB BerufsBildungBaden, Rudolf Siegrist, sein Referat am Businesslunch der VCU Vereinigung christlicher Unternehmer. Im Zentrum stand der künftige Stellenwert der Berufsfachschulen in der Schweiz. Siegrist beurteilt das Berufsbildungsgesetz 2002 als «fatalen Fehler» und fordert eine schnellere Anpassung der Berufsbildung an die Entwicklung in Wirtschaft und Technologie.

System reagiert nur sehr träge

Die Schweiz hat eine der niedrigsten Jugendarbeitslosenquote, und das duale/triale Berufsbildungssys-tem hat uns zu Wohlstand verholfen. Aber Siegrist relativiert: «Ich kann den immerwährenden Lobgesang auf das duale Bildungssystem nicht mehr hören!» Denn genau dieses Bildungssystem und die dafür zu-ständige Bildungsbürokratie reagiert auf den raschen Wandel in Technologie, Wirtschaft und Arbeitswelt nur sehr träge, wenn überhaupt. «Die Einführung des neuen Berufsbildungsgesetzes im Dezember 2002 entpuppt sich aus heutiger Sicht als fataler Fehler, der kaum noch korrigiert werden kann», so Siegrist. Dieses Gesetz hat die Berufsbildung kantonalisiert und die dazugehörige Bürokratie verdoppelt.

Berufsbildung nicht zu einem Verlierer machen

Rudolf Siegrist muss sich seit der Einführung des Berufsbildungsgesetzes von 2002 mit der einherge-henden Kantonalisierung befassen. Was der Bund vorgibt, muss von den Kantonen nicht zwingend un-terstützt werden. So ist seither kein einziger Innovationsantrag der Berufsfachschule Baden vom Kanton erfolgreich unterstützt worden. Diese Tatsachen stimmen den BBB-Rektor nachdenklich: «Der Spardruck und eine für uns häufig nicht nachvollziehbare Prioritätensetzung der Kantone macht uns das Leben schwer.» Dabei unterliegt die Berufslehre wie keine andere Bildungsgattung einem enormen Anpas-sungsdruck durch die globale Wirtschaft.

Berufsfachschulen sind Zukunftsschulen

Trotz allem nehmen die Berufsfachschulen einen immer wichtigeren Stellenwert ein, wenn es darum geht ein attraktives Bildungsangebot in diversen Industriezweigen anzubieten. Dieses Ziel wird umgesetzt, indem den Berufslernenden Theorie wie auch Praxis parallel vermittelt wird. Berufslernende der BBB BerufsBildungBaden sind begehrt, da sie zusätzlich in Handlungs-, IT- und Sprachkompetenzen versiert sind. «Berufsfachschulen bleiben attraktiv, wenn die vielversprechenden Zukunftschancen für Jugendli-che und Eltern sichtbar aufgezeigt werden.»

Berufslehre attraktiv halten, Bildungsbürokratie abbauen

Rudolf Siegrist warnt: «Die Berufsbildung befindet sich zur Zeit in einer gefährlichen Kurve.» Wenn es nicht gelingt, die Berufslehre für Jugendliche attraktiv zu halten, kann sie neben den gymnasialen Ange-boten kaum bestehen. «Mir ist völlig schleierhaft, warum die Berufsmaturität nicht stärkere Unterstützung erhält, da sie den Weg für die Studiengänge der Fachhochschule ebnen können.»

«Berufsfachschulen können in einer neu gelebten Unternehmenskultur eine Plattform eröffnen für neue Berufsfelder.» Im Verbund mit der Wirtschaft sollte es zudem möglich sein, das Tempo für Innovationen bzw. die Einführung neuer Berufsbilder zu erhöhen. Es sei nicht nachvollziehbar, warum Bildungsverord-nungen heute so kompliziert seien: langjährige Einführungszeit, bis zu 100'000 Franken Kosten pro Be-rufsbild. «Wenn die Bildungsverordnungen dann endlich in Kraft treten, sind sie schon wieder veraltet.»

Berufsfachschulen mit modernen Angeboten

Siegrist ist der dezidierten Meinung, dass die Berufsfachschulen künftig nicht nur als Dienstleister wahr-genommen werden, sondern auch als Partner von gefragten Bildungsangeboten tätig werden können. Da aber viele Branchen zunehmend überfordert sind, kann die Berufsfachschule der Zukunft hier wertvolle Unterstützung bieten. «Denn die Berufsbildung der Zukunft», so Siegrist, «lebt von Innovationsfähigkeit der jeweiligen Branche und nicht von deren Geschichtsschreibung.»

Respekt, Fairness, Verantwortung

Mit Anlässen zu aktuellen Themen fördert die VCU den Erfahrungs- und Meinungsaustausch unter den Mitgliedern sowie mit Fachleuten und interessierten Gästen. Hauptfokus ist laut VCU-Präsident Louis Dreyer dabei das «Wirtschaften mit Werten». Ziel der Vereinigung ist es, ihren Mitgliedern unternehmeri-sche, gesellschaftliche und ethische Impulse zu vermitteln und dabei ihre Verantwortung im Umgang mit Gesellschaft und der Welt wahrzunehmen. Dies ganz nach dem Motto: «Respekt – Fairness – Verantwor-tung».

Bild: von links Louis Dreyer, Präsident der VCU Vereinigung christlicher Unternehmer AG/SO, Rudolf Siegrist, Rektor der BBB BerufsBildungBaden und Dr. Jack Iseli, Programmchef der VCU.


Dreikönigsanlass 2015 – Gesellschaftlicher Jahresauftakt

Für die VCU Vereinigung Christlicher Unternehmer Aargau/Solothurn ist der 3-Königs-Anlass der gesellschaftliche Start ins neue Jahr. Diesmal trafen sich sich über 40 Personen im Gasthof «zur Traube» in Küttigen.

Der Wettinger Unternehmer Emil Schmid:
Ein Leben für die Benachteiligten

Im Zentrum dieses Anlasses steht immer auch der Gedanke der Solidarität. So schilderte der Wettinger Unternehmer Emil Schmid, wie er sich für Benachteiligte engagiert.

Pionier, Abenteurer, Unternehmer. Sein Unternehmerleben gäbe ein Drehbuch ab, dem es an Spannung, Abenteuer und Action nicht im geringsten mangeln würde: Als einer der ersten Schweizer Transportunternehmer im mittleren und nahen Osten tätig, gründet Emil Schmid die heute bekannte Eurobus und beschäftigt in den Blütezeiten seines Unternehmens Schmid Transporte AG, Wettingen, gegen 250 Mitarbeitende.

Grösstes Brocki im Aargau

Heute konzentriert sich Emil Schmid mit der Marke «Onkel Tom» vor allem auf Hausräumungen und kombiniert dies mit Recycling, Trennung, Entsorgung und Wiederverwertung. Sein Gebrauchtwarenhaus in Wettingen ist das grösste «Brocki» des Kantons. An guten Samstagen schauen bis zu 500 Kunden rein und halten Ausschau nach Brauchbarem.

Schon 160 Personen geholfen

Mittlerweile wird Emil Schmid 79 Jahre alt, die man ihm aber überhaupt nicht gibt. Und noch immer ist er rastlos, hat Ideen. Und er gehört zu jener Unternehmergattung, die sich immer auch als Menschen mit einer gewissen Verpflichtung gegenüber Schwächeren verstehen. Seit 50 Jahren betreibt er mit seinen Firmen Schmid Transporte AG und Onkel Tom’s Brocki-Hütte praktische Eingliederung, gibt sozial Benachteiligten, Straftätern, Alkohol- oder Drogensüchtigen eine Chance. Nota bene ohne jede staatliche Unterstützung.

Mit dem Sozialpreis der Aargauer Landeskirchen ausgezeichnet

Die VCU-Mitglieder erfuhren auch, dass es häufig nicht nur um Beschäftigung geht, sondern dass auch Zuwendung und ganz einfache Hilfe im täglichen Leben gefragt ist: Unterstützung beim Ausfüllen der Steuererklärung, im Umgang mit Behörden, bei finanziellen Engpässen. «Bis heute sind es etwa 160 Menschen. Das erfüllt mich mit grosser Befriedigung, auch wenn Enttäuschungen oder Rückfälle nicht ausgeblieben sind.» Für sein Engagement wurde Emil Schmid im Jahre 2011 mit dem Aargauer Sozialpreis der drei Landeskirchen ausgezeichnet.

Die VCU-Zuhörer waren tief beeindruckt und dankten mit einem langanhaltenden, warmen Applaus.

Unsere Bilder von oben:

Von links: Präsident Louis Dreyer, Unternehmer und VCU-Mitglied Emil Schmid, Programmchef Dr. Jack Iseli.

Gastgeber Beat Michel erläutert das prächtige Buffet vom Heuwagen.

Gut gelaunte Gäste am 3-Königs-Anlass in der «Traube» Küttigen.

Businesslunch: Die eigennützige und die gemeinnützige Schweiz

Die Aargauer Zeitung berichtete vom «grossen Aufmarsch im Salzhaus Brugg». Wir haben wieder das grössere Parkett betreten und hatten das Vergnügen, mit Jean-Daniel Gerber einen international sehr versierten und gemeinnützig sehr aktiven Experten begrüssen zu können.

Rund 80 Zuhörer, darunter eine KV-Berufsmaturaklasse des Berufs- und Weiterbildungszentrums Brugg WBZ, lauschten gespannt den Ausführungen des kantigen Referenten. J.-D. Gerber ist bekannt für seine klare Sprache, er spricht deutsch und deutlich und nimmt kein Blatt vor den Mund. Das wurde besonders in der anschliessenden Diskussion deutlich und faszinierte die Zuhörer. Zum Einklang begrüsste Daniel Moser, Stadtammann von Brugg, die Gäste.

Engagiert sich die Schweiz richtig und genügend?

Der Schweiz wird mangelnde Solidarität vorgeworfen. Sie beteilige sich nicht am Aufbau Europas, betreibe eine Vogel-Strauss-Politik, die Neutralität diene ihr als Feigenblatt, um nicht Stellung beziehen zu müssen. Stimmt das? Und falls ja, haben wir möglicherweise ein schlechtes Gewissen und kompensieren unseren Eigennutz durch eine grosszügige Spendetätigkeit, zahlreiche wohltätige Stiftungen und überproportional viel unbezahlte Freiwilligenarbeit?

Jean-Daniel Gerber …

… war für die Eidgenossenschaft in zahlreichen unterschiedlichen Bereichen tätig: Im damaligen Bundesamt für Aussenwirtschaft BAWI, in Genf als schweizerischer Vertreter bei der UNCTAD und der WTO, in Washington als Leiter des Wirtschafts- und Finanzdienstes in der schweizerischen Botschaft, als Exekutivdirektor in der Weltbankgruppe; er leitete das Bundesamt für Migration sowie das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO. Aktuell ist Gerber tätig u. a. als Präsident der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft SGG und als VR bei Lonza AG und Credit Suisse. Er wurde am 29.8.46 geboren.

Gerber wurde 2008 mit der Ehrendoktorwürde der Universität Bern ausgezeichnet. Seine Devise lautet: «Ut melias fiat» (auf dass es besser werde).


Auf dem Boden der Neutralität

Der Leiter der az-Bundeshausredaktion, Stefan Schmid, führte durch die Diskussionsrunde, stellte aber zunächst selber einige Frage, etwa: Die Schweiz ist nicht Mitglied der EU – fehlt da die Solidarität? Gerber verneinte. Die EU habe grosse Verdiente, so bezüglich Friedenssicherung. Unser Land beteiligt sich aber vielfältig im Rahmen der EU-Aktivitäten, dies auf dem Boden der Neutralität und Demokratie.

Eine andere Frage: Sind wir solidarisch mit den Flüchtlingen? Gerber bejahte. Die Schweiz bietet ihnen Unterkunft und Nahrung und wendet jährlich über 1 Milliarde auf. Aber: 95 Prozent der Flüchtlinge sind nicht «an Leib und Leben gefährdet» und gelten nicht als echte Flüchtlinge. Hier müsse man in der Beurteilung eine Mischung von «Verstand und Herz» finden.

In einer weitern Antwort bezeichnete er die Millionensaläre von Spitzenmanagern als «unangemessen und ungehörig». Ein Votant ersuchte um eine Beurteilung der Pauschalbesteuerung. Gerber: «Eine schwierige Frage: Wirtschaftlich muss man dafür sein, moralisch dagegen . . .»

Bericht «Aargauer Zeitung»

Bericht «Brugger General-Anzeiger»

Finanzdirektor Brogli bei der VCU: «Arbeit und Investitionen müssen sich lohnen!»

«Was ist für Sie schwieriger zu handhaben: die Ausgaben oder die Schulden?» Das war eine der vielen Fragen, die Landammann und Finanzdirektor Roland Brogli an einer Veranstaltung in Aarau kürzlich beantworten musste. Gastgeber war die VCU Vereinigung christlicher Unternehmer Aargau-Solothurn.

Grundsätzlich strebt Roland Brogli mit seiner Finanz- und Steuerpolitik langfristig stabile Verhältnisse an: «Nur mit einem nachhaltigen Wirtschaften stellen wir sicher, dass nachfolgende Generationen im Kanton Aargau nicht durch finanzpolitische Verfehlungen der heutigen Generation belastet werden.»

Einzigartige Instrumente garantieren Stabilität

Somit ist auch klar, dass stabile öffentliche Finanzen im Fokus stehen. Aufwand und Ertrag im Kanton müssen auch über eine längere Zeit mindestens ausgeglichen sein. Damit dieses Ziel erreicht wird, haben Parlament und Regierung wirksame Instrumente geschaffen: Mit der Schuldenbremse werden allfällige Defizite in den nachfolgenden 5 Jahren abgebaut. Die Ausgleichsreserve dient dem Ausgleich bei Schwankungen; sie wird in guten Jahren aufgestockt und in schlechten Jahren aufgelöst. Mit der Ausgabenbremse sind neue Ausgaben nur mit Zustimmung der absoluten Mehrheit des Grossen Rates möglich.

Tiefe Staatsquote und moderate Steuern

Die Schulden werden per Gesetz seit 2004 jährlich um rund 30 Mio Franken verringert. Und stabile Finanzen sind u. a. nur dann möglich, wenn der Staat nicht unvernünftig wächst. «Nur eine tiefe Staatsquote hält unseren Kanton wettbewerbsfähig», so Brogli. Schliesslich gehört eine moderate Steuerbelastung zum Strauss der finanzpolitischen Massnahmen. «Wir wollen ein Steuersystem, das soziale Gerechtigkeit ermöglicht und die Wettbewerbsfähigkeit stärkt. Arbeit und Investitionen müssen sich im Kanton Aargau lohnen!»

Attraktiver Standort bleiben

Der Aargau hat dank dieser Finanzpolitik zum neuntenmal in Folge die höchsten Ratings der renommierten Agentur Standard & Poor’s erhalten. Studien der beiden Schweizer Grossbanken bestätigen eine nationale Spitzenstellung in Sachen Standortqualität und Wettbewerbsfähigkeit. Trotzdem trübt sich der Horizont etwas ein. So entfallen die bisher grosszügigen Ausschüttungen der Nationalbank, und die Dividenden von staatseigenen Energieunternehmen wie jene der Axpo schmelzen rapide dahin. Die Ausgleichsreserve muss zur Deckung der Defizite 2016-18 herhalten. Rund 200 Massnahmen sind aber bereits beschlossen und sollen den Haushalt wieder ins Lot bringen. Dazu Brogli: «Wir wollen und können nicht auf den Lorbeeren ausruhen!»

Aufblähung des Justizapparates fällt auf

In der anschliessenden Diskussion war Roland Brogli in seinem Element. Man spürte seine Hintergrund- und Detailkenntnisse. Das starke Stellenwachstum beim Kanton und insbesondere im Justizbereich wurde hinterfragt. Man sei sich dessen bewusst und arbeite an Gegenmassnahmen. Anderseits dürfe der Staat auch nicht mit zu vielen Ansprüchen überfordert werden. Welches Wachstum bereite ihm mehr Bauchweh, jenes der Ausgaben oder jenes der Schulden? Aktuell sei die Ausgabendynamik problematischer und mit Unbekannten gespickt, die Schulden kenne man ja. Wieso nicht gewisse Dienstleistungen wie z. B. Wald- und Jagdaufsicht interkantonal zusammenlegen und so günstiger bewirtschaften? Daran arbeite man, allerdings müsse sich so etwas lohnen und anderseits auch wirksam sein, so Brogli.

Respekt, Fairness, Verantwortung

Mit Anlässen zu aktuellen Themen fördert die VCU den Erfahrungs- und Meinungsaustausch unter den Mitgliedern sowie mit Fachleuten und interessierten Gästen. Hauptfokus ist laut VCU-Präsident Louis Dreyer dabei das «Wirtschaften mit Werten». Ziel der Vereinigung ist es, ihren Mitgliedern unternehmerische, gesellschaftliche und ethische Impulse zu vermitteln und dabei ihre Verantwortung im Umgang mit Gesellschaft und der Welt wahrzunehmen. Dies ganz nach dem Motto: «Respekt – Fairness – Verantwortung ».

Foto:
Der aargauische Finanzdirektor Roland Brogli (rechts) und Louis Dreyer, Präsident der VCU Vereinigung christlicher Unternehmer AG/SO.

«Andere sammeln Autos, ich Rebstöcke!» – VCU bei der Rebschule Meier, Würenlingen

Der Wein ist Kultur, stiftet Freude im Genuss aber auch in der geometrisch gegliederten Landschaft. Gegen 30 Gäste der Vereinigung Christlicher Unternehmer Aargau/Solothurn (VCU) erhielten kürzlich einen Einblick in die Rebschule Meier in Würenlingen. Interessant war zu vernehmen, dass zwischen kommerziellem Rebbau und Naturschutz eine durchaus fruchtbare Zusammenarbeit möglich ist.

National bedeutende Rebschule

Kompetenz und Engagement zeichnen Andreas Meier deutlich aus. Als Inhaber des Weingutes zum Sternen und der Rebschule Meier ist er täglich gefordert. Einerseits einem lebhaften Kundenmarkt, anderseits den Launen der Natur ausgesetzt, leisten er und seine 20 Mitarbeitenden einen bedeutenden Beitrag zur Aargauer, ja zur Schweizer Weinkultur. Zu seinen Berufskollegen pflegt Meier ein sehr offenes Verhältnis, und er will sich speziell für die Weiterbildung in seinem Berufsstand einsetzen.

Mit dem neuen Weinbaugut «Besserstein Wein AG», an der Meier zur Hälfte beteiligt ist, werden gleichzeitig neue Wege im Weinmarketing beschritten.

Von der Reblage Hölle ins Kloster Sion

Auf einem ausgedehnten Rundgang in den Würenlinger Rebkulturen bekamen die VCU-Gäste den Charme des unteren Aaretals und der Juraketten deutlich zu spüren.

Die Führung startete am Sortenhang, wo fast mitten im Dorf rund 200 verschiedene Traubenstöcke wachsen, ein Hobby von Andreas Meier: «Andere sammeln Autos, ich Rebstöcke». Vom Chardonney bis zum Malbeck ist hier so ziemlich alles zu finden, was unter den Traubenstöcken Rang und Namen hat.

In den nahen Hängen dann erläuterte die Botanikerin Vreni Doppler-Amrein, wie eine sorgfältige Koordination zwischen Rebbau und Naturschutz dazu führt, dass sich wertvolle Refugien für bedrohte Pflanzen und Tiere entwickeln können. So gedeiht der rötliche Mauerpfeffer, eine sehr seltene, südliche Pflanze in der Reblage «Hölle» des Weingutes zum Sternen.

Es passt gut zu dieser nachhaltigen Philosophie, dass Andreas Meier kürzlich 150 Eichen gepflanzt hat – für die übernächste Generation. In der «Hölle» schliesslich wurde der von eben dieser Lage stammende Pinot noir probiert, und hier war zu vernehmen, dass das Weingut zum Sternen ferner die Lagen «Im Lee» und «Sennhof» in Döttingen und in Klingnau den berühmten «Kloster Sion» pflegt.

Viele Schweizer Weine haben ihre Wurzeln in Würenlingen

In den eindrücklichen Kulturen der Rebschule werden bis zu 700’000 Reben veredelt. Die Geschichte der Rebschule Meier geht auf das Jahr 1921 zurück. Mit einfachen Mitteln und grossem Arbeitsaufwand trieb der Gründer Albert Meier auf privater Basis die Rebveredelung voran. Durch eine sorgfältige
Veredelungstechnik und gewissenhafte Selektion bester Klone gelang es ihm, Jungpflanzen heranzuziehen, die kräftig gediehen. Die vor allem auch resistent waren gegen die Reblaus, welche zu Beginn des letzten Jahrhunderts viele Rebberge und Existenzen vernichtete.

Bald entwickelte sich die Rebschule zu einem beachtlichen Betrieb, den in der Folge zwei weitere Generationen Meier zu einem Unternehmen von nationaler Bedeutung ausbauten. Pfropfreben aus Würenlingen sind in der ganzen Schweiz, in Deutschland und im Südtirol zu finden. «Und wir haben auch schon nach Frankreich geliefert», ergänzt Andreas Meier.

Die Liebe zum Weinbau, ein sorgfältiger Umgang mit der Natur und das nachhaltige unternehmerische Handeln sind spür- und sichtbar. Die VCU-Gäste waren beeindruckt.

Strafvollzug im Alltag – Besuch in der JVA Lenzburg

Beachtliche 29 Personen kamen am 19. Juni 2014 zu aussergewöhnlichen Einsichten. Das Programm bestand in einer Führung durch die JVA Lenzburg, gefolgt von einem gemütlichen Nachtessen im Hotel Krone, Lenzburg.

Die JVA Lenzburg gilt seit der Eröffnung im Jahre 1864 als eine moderne, wegweisende Anstalt, die auch immer wieder mit Innovationen im technischen als auch im Vollzugs-Bereich von sich reden macht. Referent: Markus Ruf, Direktor JVA Lenzburg.

200 Mitarbeitende, 300 Delinquenten

Die Justizvollzugsanstalt Lenzburg umfasst 300 Vollzugsplätze. Davon sind 216 Plätze im geschlossenen Vollzug für Männer; 84 Plätze stehen zur Verfügung für Untersuchungshaft, Halbgefangenschaft sowie Kurzstrafen für Jugendliche, Frauen und Männer. Die JVA umfasst eine Strafanstalt sowie das Zentralgefängnis. Rund 200 Mitarbeitende überwachen, betreuen und begleiten die Insassen.

Klare Regeln, konsequentes Handeln

Lenzburg gilt schweizweit als streng, aber freundlich. Der Betrieb operiert mit einem humanen und auf Vernunft basierenden Ansatz. Man respektiert einander und achtet auf strikte Einhaltung der Regeln. Wer diese Regeln verletzt, wird konsequent zur Verantwortung gezogen. «Unser Auftrag lautet auch, die Gefangenen zu resozialisieren», betont Marcel Ruf. Freizeitgestaltung, aktive Mitarbeit gegen Entlöhnung – alle arbeiten – und 2 Stunden Besuchszeit pro Woche sind einige der Mittel zur Erreichung der Ziele. Wer Extras beansprucht, wie z. B. Zigaretten, Zahnpasta etc., bezahlt diese selbst, ebenso allfällige Arztkosten. Wer nach der Haftzeit ins Ausland abgeschoben wird, bezahlt seinen Flug selbst.

Personal: Vernunft und Lebenserfahrung

Wo viele Delinquenten auf engem Raum zusammen leben, knistert es manchmal. Im Zentralgefängnis beispielsweise sind bis zu 5 Mann in der U-Haft untergebracht. Im eigentlichen Hauptgefängnis entsprechen die aus grauer Vorzeit stammenden Zellen nicht mehr den Vorschriften und werden zurzeit etappenweise saniert. Der wichtigste Beitrag zu einem positiv ausgerichteten Betrieb wird aber vom Personal geleistet. Gefragt sind täglich Vernunft, Sinn für Deeskalation, Uebersicht auch in heiklen Fällen. «Aus diesem Grund stellen wir nur geeignete Bewerber ab Alter 30 ein, und als vorteilhaft haben sich Menschen mit einem zweiten Bildungsweg erwiesen», so Ruf, der uns mit seiner sachlichen, offenen und humorvollen Art beeindruckte.

Dass heute eine viel strengere Tagesordnung herrscht, ist ein weiteres interessantes Detail. So war es bis in die 60er-Jahre üblich, die Gefangenen am Samstag mit einem Glas Wein zu bedienen. Heute undenkbar.

JVA-Direktor Marcel Ruf …

… besuchte die Schulen in Rothrist. Nachdem er verschiedene Weiterbildungsstufen und berufliche Stationen absolviert hatte, übernahm er im Jahre 2000 das Amt des Sicherheitsverantwortlichen in der Strafanstalt Lenzburg. Seit 2005 ist er Direktor der JVA und Mitglied in verschiedenen Fachkommissionen, seit 2006 Dozent für Sicherheit und Aussenkontakte am Schweizerischen Ausbildungszentrum in Freiburg. Wohnhaft in Oftringen, verheiratet, 2 Kinder. In seiner Freizeit wandert und reist er gerne, unternimmt am liebsten Expeditionsreisen nach Afrika und Skandinavien.

VCU-Business-Lunch vom 13. März 2014: «Das Herzblut ist elementar!»

Wie läuft eine Geschäftsübergabe ab? Was sind die Stolpersteine? An was sollen sich Uebergebende und Uebernehmende orientieren? Franziska Bircher aus Wölflinswil hat nach einer langen Dienstzeit in der Geschäftsleitung der Studer AG in Frick den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Sie wird nämlich in absehbarer Zukunft den Küchenbauer und Schreinereibetrieb Brogle AG in Wittnau übernehmen. Ueber den Prozess der Uebergabe referierte sie kürzlich am Businesslunch der Vereinigung Christlicher Unternehmer Aargau/Solothurn (VCU) in Aarau.

Bei Franziska Bircher …

… steht die zierliche Erscheinung im Gegensatz zu ihrem Auftreten. Gehärtet in vielen Jahren bei der Bauelementeherstellerin Studer AG in Frick, spürt man bald, dass sich diese Frau auch in einem rauhen Umfeld durchzusetzen vermag. Sanft, aber bestimmt ist ihr Ton, und sie ist authentisch. Seit dem 1. Januar 2013 ist sie Mitglied der Geschäftsleitung der Brogle AG in Wittnau, die mit 16 Mitarbeitenden Schreinerarbeiten und Küchenbauten anbietet. Die Geschäftsübergabe ist vereinbart und läuft nach einem Zeitplan ab.

Offenheit und Ehrlichkeit zwischen allen Beteiligten

Wie werden die unterschiedlichen Vorstellungen auf einen Nenner gebracht, wie entsteht das gegenseitige Vertrauen, welches sind die Herausforderungen und Erwartungen an die neue Chefin? Und welchen Stellenwert hat bei aller Sachlichkeit der Aspekt des Zwischenmenschlichen?

«Natürlich muss sich die ,Neue’ in verschiedenen Bereichen bewähren, sie wird in der männerdominierten Branche besonders kritisch gemustert». Franziska Bircher hat nach ihren eigenen Schilderungen noch nie soviel in so kurzer Zeit gelernt; ihre Akzeptanz sei nicht nur bei den Mitarbeitenden, sondern auch bei Lieferanten nicht selbstverständlich. Anderseits komme man mit Offenheit und Ehrlichkeit sehr weit.

Das gilt auch für die Beziehungen zwischen den jetzigen Noch-Besitzern Hildegard und Paul Brogle. Viele Dinge sind zu klären, wenn es um die Geschäftsübernahme gehe, und Reibungsflächen gebe es genug. «Aber wir gehen das in einer grossen Offenheit und regelmässig laufend an, so entsteht gegenseitiges Verständnis und eine grosse Vertrauensbasis.» Nur unter diesen Voraussetzungen und nur mit einer grossen Portion Herzblut sei das zu schaffen.

Herausforderungen: Billigkonkurrenz, Bürokratie, Mindestlohn-Initiative

Am 1. Juli 2014 übernimmt sie nun die Geschäftsführung der Brogle AG. Franziska Bircher steht also bereits mitten in der Verantwortung. Als Herausforderungen sieht Bircher vor allem die Billigkonkurrenz aus Deutschland, aber auch die zunehmenden Vorschriften der öffentlichen Hand. «Als kleines KMU schlagen wir uns mit einer Fülle von Vorschriften herum, und es werden ständig mehr!» Zu den Sorgen zählt Bircher auch die anstehende Mindestlohn-Initiative, die «für kleine Betriebe wirklich nicht verkraftbar ist und es ihnen verunmöglicht, beispielsweise sozial schwächeren Personen eine Chance zu geben und in den gewerblichen Betrieb zu integrieren». Probleme gibt es also genug, «aber wir sind vor allem im regionalen Markt gut verankert und daher sehr zuversichtlich».

Respekt, Fairness, Verantwortung

Mit Anlässen zu aktuellen Themen fördert die VCU den Erfahrungs- und Meinungsaustausch unter den Mitgliedern sowie mit Fachleuten und interessierten Gästen. Hauptfokus ist laut VCU-Präsident Louis Dreyer dabei das «Wirtschaften mit Werten». Ziel der Vereinigung ist es, ihren Mitgliedern unternehmerische, gesellschaftliche und ethische Impulse zu vermitteln und dabei ihre Verantwortung im Umgang mit Gesellschaft und der Welt wahrzunehmen. Dies ganz nach dem Motto: «Respekt – Fairness – Verantwortung ».

Zur Referentin:
Franziska Bircher, Geschäftsleitung Brogle AG, Wittnau

Franziska Bircher ist eine Fricktalerin. Im Februar 1969 geboren, absolvierte sie die Schulen im Fricktal und anschliessend eine Banklehre bei der Banque Paribas (Suisse) in Basel. Nach verschiedenen Weiterbildungsstationen erarbeitete sie sich das Diplom als Geschäftsführerin am Schweizerischen Institut für Unternehmerschulung (SIU). Franziska Bircher begann ihre berufliche Laufbahn im Tessin und wechselte dann zur K. Studer AG in Frick, der sie 22 Jahre lang die Treue hielt; zuletzt als Mitglied der Geschäftsleitung, verantwortlich für den Bereich Naturstein, Marketing und Managementsystem. Seit Januar 2013 ist sie Mitglied der Geschäftsleitung der Brogle AG, Schreiner – Küchen, Wittnau. Zahlreiche Engagements ergänzen ihr Leben: Beirätin NAB Fricktal, Vorstand HEV Fricktal, IWF Frick sowie Gewerbe Region Frick. OK-Präsidentin Expo14 in Frick. Franziska Bircher ist ledig und wohnt in Wölflinswil.


Business-Lunch: Freiheit und Verantwortung – Ethik der Unternehmensführung

Businesslunch vom Donnerstag, 7. November 2013

Referent: Pfr. Dr. Christoph Weber-Berg, Kirchenratspräsident der Reformierten Landeskirche Aargau

«Freiheit ist eine unabdingbare Voraussetzung für ethisches Handeln und die Übernahme von Verantwortung. Ethisches Handeln ist entsprechend die Folge einer freien Entscheidung. Worin aber gründet die Freiheit?» Diese Fragestellung aus der Perspektive des Glaubens interessierte rund 30 Teilnehmende und bescherte dem Referenten ein grosses Interesse.

Tugendhaftes Verhalten setzt innere Freiheit voraus

Christoph Weber-Berg beleuchtete in seinem Referat die Ursprünge individueller Freiheit aus der Perspektive des Glaubens. Er zeigte auf, wie innere Freiheit die Voraussetzung tugendhaften Verhaltens ist. Er zog eine Parallele zur gesellschaftlichen Verantwortung des Unternehmens und legte dar, wie die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung durch Unternehmen letztlich wiederum der individuellen Freiheit dient. «Als Führungsverantwortliche muten wir den Menschen zu, dass sie sich der Freiheit und Verantwortung stellen können. Oft braucht es Geduld, Gelassenheit und Ausdauer, um in einem Betrieb eine entsprechende Kultur wachsen zu lassen. Keine ist vor Rückschlägen gefeit.»

Achtsam sein

Die nach 2008 erlebte Finanz- und Wirtschaftskrise, so Dr. Weber-Berg, habe gezeigt, dass aggressive Profitmaximierung und eine Finanzsphäre, die sich von der Realwirtschaft loslöst, das Funktionieren des marktwirtschaftlichen Kapitalismus untergraben und bedrohen könne. «Ich glaube, dass es aus ethischer Sicht angezeigt ist, freie Märkte und eine offene Gesellschaft vor selbstzerstörerischen Kräften zu schützen», so der Referent. Aus der Sicht des Glaubens müsse man daher wachsam sein in Bezug auf die spirituellen Ursachen dieser Bedrohung. Und wir müssen konstruktive Antworten finden.

Der Referent, Pfr. Dr. Christoph Weber-Berg, …

… ist Präsident des Kirchenrates der Reformierten Landeskirche Aargau. Vor seiner Wahl zum Kirchenratspräsidenten im Jahre 2012 leitete er das Center for Corporate Social Responsibility an der HWZ Hochschule für Wirtschaft in Zürich. Davor war er Leiter der Fachstelle Kirche und Wirtschaft der Zürcher Landeskirche und Pfarrer der Reformierten Kirchgemeinde Lenzburg-Hendschiken. Wirtschaftliche Erfahrung sammelte er als Mitarbeiter im Auslandskreditgeschäft der Credit Suisse und als Leiter des Nachhaltigkeitsresearch bei Forma Futura Ltd. in Zürich.

Neben seinem theologischen Doktorat der Universität Zürich verfügt er über einen Executive MBA in Nonprofit Management der Universität Freiburg.

Abend-Anlass am Donnerstag, 20. Juni 2013: Besuch bei Martin A. Messner, Feldbach.

Die Elemente waren uns günstig gesinnt. Trotz äusserst labiler Wetterlage und Unwetter am Turnfest in Biel durften wir einen wunderschönen Sommerabend über dem Zürichsee verbringen. Ganz zum Schluss des Abends aber zwang uns eine aus Zürich anrückende dunkle Gewitterfront zum Abbruch der Zelte und zur Fortsetzung des Essens im Schutz des Wintergartens.

Martin Messner: Ballonfahrer, Gutsherr, Unternehmer

Zusammen mit unseren Partnern und gemeinsam mit der VCU Ostschweiz kamen wir in den Genuss eines aussergewöhnlichen Erlebnisses. In Feldbach, über dem rechten Zürichseeufer, weihte uns Martin Messner mit seinen Ballonfahrerkollegen in die Geheimnisse des Ballonfahrens ein. Ein Rundgang durch das sorgfältig restaurierte Landgut Rosenberg samt Gartenanlage rundete den informativen Teil ab.

Weltweit anerkannter Ballonfahrer

Der Familientradition folgend, wurde Martin A. Messner vor bald 30 Jahren vom Ballonvirus befallen und erlernte damals das Gas- und Heissluftballonfahren. In der Zwischenzeit verbrachte er mehr als 2000 Stunden im Ballonkorb und konnte viele schöne Ballonfahrten auf allen Kontinenten durchführen.

Die Teilnahme an den Schweizer-, Europa- und Weltmeisterschaften wurden mit dem Europameistertitel 1986 in Schielleiten/Österreich und dem Sieg an der Gordon-Bennett- Wettfahrt 1984 ab Zürich gekrönt.

Parallel zum Ballonfahren war Martin A. Messner als Präsident des Schweizerischen Ballonverbandes und als Präsident des Jubiläums «100 Jahre Luftfahrt in der Schweiz» tätig. – Heute ist er in diversen Gremien der General Aviation und als Unternehmer aktiv.

Eindrucksvolle Bibliothek

Buchstäblich ins Auge stechen nicht nur die hervorragend gepflegten Haus- und Gartenanlagen, sondern auch und vor allem die umfangreiche Sammlung von Dokumenten, Auszeichnungen, Illustrationen und Fachliteratur. Martin Messner verfügt wohl über eine der umfangreichsten Dokumentationen weltweit. Sehr eindrücklich sind u. a. 200 Jahre alte Fachzeichnungen über die damals viel eingesetzten «Montgolfière», wie die Ballons nach ihrem Erfinder benannt wurden. Messner ersteigert sich die Dokumente häufig auf Auktionen. Eines der Glanzstücke bildet wohl das Original-Gründungsdokument der Swissair …

Danke nach Feldbach

Wir erlebten einen in jeder Beziehung hochklassigen Abend in einer ausserordentlich anmutigen und gastfreundlichen Atmosphäre. Unser Dank gilt Martin Messner und seinen Helfern, die uns sehr aufmerksam umsorgten.

Business-Lunch 25. April 2013: KMU im Spannungsfeld zwischen Familie und Unternehmung

Die Weitergabe der eigenen Unternehmung beschert vielen Inhabern rauchende Köpfe. Welchen Sinn macht es, die Unternehmung an die eigenen Kinder weiterzugeben? Kann ein KMU in der heutigen Zeit noch bestehen, und wo sind die Grenzen? In tausenden von schweizerischen KMUs werden diese Fragen gestellt und müssen von den Eignern bzw. den Nachfolgern beantwortet werden. Diesem Thema widmete sich kürzlich die VCU Aargau/Solothurn. Referent war Erwin Baumgartner der Heinz Baumgartner AG, Tegerfelden.

Vom Einmannbetrieb zum KMU

Die Heinz Baumgartner AG in Tegerfelden wurde im März 1962 als Einmannbetrieb gegründet. 1965 konnte bereits der erste Mitarbeiter eingestellt und 1968 der erste Lehrling beschäftigt werden. Nicht lange nachdem die Firma 1978 eine Aktiengesellschaft wurde, stiegen die Söhne Stefan und Erwin Baumgartner 1985 in das Familiengeschäft ein. Heute zählt das Unternehmen 50 Mitarbeitende, davon 9 Auszubildende, vorwiegend Polymechaniker. Im Durchschnitt arbeitet ein Angestellter 9,3 Jahre in diesem Betrieb. Als klassischer Lohnfertiger tätig, entstehen hier, verteilt auf zwei Standorte, vom einfachen Bearbeitungsteil bis hin zur komplexen Baugruppe unterschiedlichste Produkte.

Ein Familienunternehmen aus Gründerpaar und vier Kindern

Inzwischen ist die ganze Familie im Unternehmen tätig. Das Gründerehepaar hat sich in den Ruhestand zurückgezogen, wobei dies beim Vater nicht ganz zutrifft. Als Mitglied der Geschäftsleitung mit beratender Funktion bringt er seine Erfahrung weiterhin ein. Die Geschäftsführung wird von Erwin Baumgartner wahrgenommen. Stefan Baumgartner obliegt die Betriebsleitung. Agnes Huber-Baumgartner ist im Teilzeitpensum für die Buchhaltung zuständig. Markus Baumgartner arbeitet im Bereich Logistik und Material.

Ein besonders stolzer Moment: 2010 gewinnt die Heinz Baumgartner AG den 1. Rang des Aargauischen Unternehmenspreises im Bereich Industrie und Produktionsunternehmen bis 250 Mitarbeiter.

Zurückhaltung und Anerkennung

Spannungsfelder, so Baumgartner, entstehen in verschiedenen Bereichen bei einer Übergabe, in diesem Fall an mehrere Kinder. Wesentlich ist dabei das Vertrauen zueinander und dies Generationsübergreifend. Als Absicherung gilt die Vereinbarung, dass Verträge doppelt unterzeichnet werden. Mitunter wird die Arbeitszeit abgestempelt. Jeder bekommt also was er verdient. Schlussendlich können sich auch alle im Verwaltungsrat einbringen. Somit herrscht Gleichberechtigung. Die Ferien der Geschwister sind abgesprochen und werden eingehalten. Während dieser Zeit verpflichten sich die anderen, dem Abwesenden die betrieblichen Verpflichtungen abzunehmen.

Erwin Baumgartner weist aber auch daraufhin, dass der Erfolg der Firma nicht nur dem guten Zusammenspiel der Familie zu verdanken ist, sondern auch den familiären Strukturen der Mitarbeiter. Wertehaltung und Teambildung werden durch Ausflüge und sonstige Zusammenkünfte gefördert. Auch der verständnisvolle und unterstützende Partner darf nicht fehlen, damit Betrieb und Familie wie auch Freizeit auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden können. Die grundlegende Basis, so Erwin Baumgartner, ist Zurückhaltung und Anerkennung untereinander. Jeder spielt eine ebenso wichtige Rolle wie der Andere.


Bilder rechts:
Erwin Baumgartner, Referent (rechts), mit Louis Dreyer, Präsident der VCU Aargau/Solothurn.
Die Medien haben über diesen Anlass berichtet. So auch die «Botschaft» in Döttingen.

Business-Lunch März 2013: Aktuelle Geldpolitik der SNB

Der Referent: Prof. Dr. Thomas J. Jordan,
Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank

Oeffentliche Veranstaltung am 13. März 2013 in Aarau.

Wir haben das neue Jahr mit einem prominenten Gast begonnen. Alle in unserem Land spüren seit der letzten Finanzkrise, welch immense Verantwortung unsere Nationalbank (SNB) für das Wohlergehen unserer Wirtschaft und unseres Landes trägt. Interessant, aus erster Hand zu hören, wie die SNB damit umgeht. Dies wusste Dr. Thomas J. Jordan sehr bodennah, allgemein verständlich und souverän zu erläutern.

Rund 150 Zuhörer, darunter eine KV-Klasse aus Aarau, folgten gespannt den Ausführungen unseres obersten Währungshüters. Anschliessend an das Referat folgte eine Diskussions- und Fragerunde, moderiert von Patrik Müller, Chefredaktor «Der Sonntag».

Bilder rechts:
- oben: SNB-Chef Dr. Thomas J. Jordan mit Louis Dreyer, Präsident VCU AG/SO.
- unten: Dr. Thomas J. Jordan mit Patrik Müller, Chefredaktor «Der Sonntag» (rechts), und Dr. Jack Iseli, Vorstandsmitglied VCU AG/SO (links).


Dank an Sponsoren – Wir danken folgenden Gönnern, die uns diese Veranstaltung ermöglicht haben:

Aargauische Kantonalbank, Aarau
Herzog Treuhand AG, Stein
Eglin Holding AG, Baden
KOPA-Gruppe Laufenburg, Baden, Rheinfelden
Handelsschule KV Aarau
Reformierte Landeskirche Aargau
Römisch-Katholische Landeskirche im Aargau
Seehotel Hallwil, Beinwil am See


Breites Medienecho
Sowohl die Aargauer Zeitung / Nordwestschweiz als auch DER SONNTAG berichteten darüber. Bitte lesen Sie selbst:

Berichte Aargauer Zeitung 14.3.2013 / Der Sonntag 17.3.2013

Respekt, Fairness und Verantwortung im Alltag – Jahresauftakt 2013 im Fricktal

«Die Vereinigung Christlicher Unternehmer (VCU) bezeichnet sich als Unternehmerverein, deren Mitglieder Respekt, Fairness und Verantwortung als Grundhaltung im Alltag umsetzen und vorleben wollen. Dies sei eine Werthaltung, welche die Vereinigung von andern Serviceclubs unterscheide, sagte Präsident Louis Dreyer, Oberrohrdorf. Erstmals wagte sich die VCU ins Fricktal».

So die «Aargauer Zeitung», welche am 14. Januar 2013 berichtete. Nachstehend der ganze AZ-Bericht.

Bericht Aargauer Zeitung

Stephan Wirz erhält den Hanns-Seidel-Preis für verantwortungsvolles Unternehmertum

Wirtschaftliches Handeln sollte immer eine ethische Perspektive beinhalten. In der Tradition dieser Kernforderung des ehemaligen Bayerischen Ministerpräsidenten Hanns Seidel wurde am 31. Oktober 2012 der «Hanns-Seidel-Preis für verantwortungsvolles Unternehmertum» in München verliehen. Die mit 7.000 Euro dotierte Auszeichnung, die von Hauck & Aufhäuser Privatbankiers gestiftet wurde, ging an Prof. Dr. Stephan Wirz, langjähriger Lehrbeauftragter und Titularprofessor an der Universität Luzern.

Festredner war der Unternehmer Prof. Dr. Claus Hipp. In seiner Laudatio hob Prof. Dr. Markus Vogt (LMU München) die Verdienste von Wirz hervor. Vogt nannte vor allem dessen konsequente Verbindung von theoretischer Kompetenz und praktischer Erfahrung, die beide Bereiche zu neuen Ansichten und Handlungsoptionen bringe.

Stephan Wirz studierte in München Theologie und Politische Wissenschaft. Er begann seine Laufbahn bei der Schweizerischen Kreditanstalt in Zürich. Nach seiner Promotion an der LMU München arbeitete er fünf Jahre bei der ABB Schweiz AG. Danach wechselte er als Professor für Ethik an die Fachhochschule Aargau. Seit 2007 ist Stephan Wirz Studienleiter des Bereichs «Wirtschaft und Arbeit» an der Paulus-Akademie in Zürich und seit 2011 Titularprofessor für Ethik der Universität Luzern.

Stephan Wirz ist langjähriges Mitglied der VCU Aargau/Solothurn. Wir freuen uns mit ihm und gratulieren ganz herzlich zu dieser Ehrung.

VCU-Business-Lunch in Baden am 6. September 2012: Frischer Wind in Badens Hotelszene

Unter diesem Titel nahm die Vereinigung christlicher Unternehmer (VCU) einen Augenschein im neusten Hotelprojekt in Baden. In den altehrwürdigen Hallen 37/38, wo einst Hunderte von BBC-Mitarbeitenden Elektroapparate herstellten, wird Ende September der Baggerzahn zubeissen. Unternehmer und Initiant Werner Eglin stellte seine Gruppe vor und zeigte auf, wie eine schnelle Erneuerung in der regionalen Gastro- und Hotellerieszene realisiert wird. Nun steht der Spatenstich für ‚Trafo 2.0’ bevor. Und auch ein Abstecher nach Aarau ist geplant.

Dynamisches KMU

Eigentliche Mutter der heutigen Eglin Group ist die 1991 gegründete Eglin Elektro Baden. Seither hat sich der ehemalige kleine Handwerksbetrieb zu einem KMU mit 25 Firmen und gegen 450 Mitarbeitenden entwickelt. Heute wird der Elektro- und Kommunikationsbereich von Sohn Oliver geleitet, während Immobilien, Restauration, Hotels und Wellness in der Werner Eglin Holding zusammengeführt sind und von Werner Eglin selbst geführt werden.

„Bauchgefühl ist wichtig“

Das jüngste Kind der Eglin Group steht am Limmatufer in Ennetbaden: der „Hirschen“. Mit Eigentumswohnungen, Hotelzimmern, einem Bistro und Private Spas zieht es mit dem Limmathof, dem Goldenen Schlüssel und dem Schweizerhof Gäste ins schöne Bäderquartier.
Wie im „Hirschen“ hat die Eglin Group bereits im Blue City-Hotel oder am Schlossbergplatz mit Liebe zum Detail um- und ausgebaut. Immer mit Fokus darauf, Baden einen Mehrwert zu bringen. „Etwas machen“, so Werner Eglin, „füllt mich am besten aus. Und am liebsten befasse ich mich mit verfahrenen Situationen. Dabei muss unter anderem das Bauchgefühl stimmen.“

Trafo 2.0

Am 29. September 2012 fällt der Startschuss zum Trafo 2.0. Das Projekt umfasst 32 Wohnungen, 80 Hotelzimmer, Bar, Restaurant und einen Eventbereich. Eine grosse Indoorhalle ist während 300 Tagen im Jahr öffentlich zugänglich. Dieser Raum wird für Ausstellungen, Events oder auch einfach zum Verweilen genutzt werden können. Der Bezug ist für 2014 geplant.

„Als Badener bin ich überrascht vom Goodwill der Aarauer!“

Mit seiner neusten Idee nimmt sich Werner Eglin einem problematischen Objekt der Kantonshauptstadt an: der „Kettenbrücke“. Ein Boutique-Hotel mit einem Restaurant soll in die bestehenden Gebäudestrukturen eingebettet werden. Die Pläne wurden von den Behörden positiv aufgenommen und auch in der Bevölkerung findet das Projekt Anklang, gab es doch keine einzige Einsprache. „Ich spüre in Aarau überraschend grossen Goodwill!“, so Eglins Kommentar.

Respekt, Fairness, Verantwortung

Mit Anlässen zu aktuellen Themen fördert die VCU den Erfahrungs- und Meinungsaustausch unter den Mitgliedern sowie mit Fachleuten und interessierten Gästen. Hauptfokus ist laut VCU-Präsident Louis Dreyer dabei das «Wirtschaften mit Werten». Ziel der Vereinigung ist es, ihren Mitgliedern unternehmerische, gesellschaftliche und ethische Impulse zu vermitteln und dabei ihre Verantwortung im Umgang mit der Gesellschaft und der Welt wahrzunehmen. Dies ganz nach dem Motto: «Respekt – Fairness – Verantwortung».

Abendveranstaltung vom 20. Juni 2012: Besuch der Interkantonalen Polizeischule Hitzkirch (IPH)

Eine interessierte Schar von ca. 40 Teilnehmern der Regionalgruppen VCU Zentralschweiz und Aargau/Solothurn versammelte sich am 20. Juni 2012 beim Trainingscenter IPH in Hitzkirch.

Nach der Begrüssung durch den Direktor IPH, Herrn Christoph Tanner, erhielten wir einen Einblick in die Grundausbildung angehender Polizistinnen und Polizisten. In den Ausführungen zeigte sich, dass neben den physischen Ansprüchen vor allem auch die mentale Stabilität und die ethische Haltung je länger desto mehr eine massgebliche Herausforderung in diesem anspruchsvollen Beruf darstellt.

Im Anschluss daran konnten wir das Trainingscenter vom Sportzentrum über den Schiesskeller bis hin zum „Ausbildungsdorf“ - bestehend aus verschiedensten Gebäuden wie Bank, Ein- und Mehrfamilienhäuser, Verkehrsanlagen, etc. - besuchen.

Ein wichtiger Teil der Ausbildung besteht dabei, mit möglichst geringer Gewalt resp. wenn möglich sogar ohne Gewalt heikle Situationen zu bewältigen. Die vielen Fragen der Teilnehmenden zeigten die brennende Aktualität der Problemstellungen für unsere heutige Gesellschaft.

Mit einem herzlichen Dank und Applaus an den ausgezeichneten Referenten Herrn Tanner verabschiedeten sich die Teilnehmenden und begaben sich anschliessend in die Deutschritterkommende Hitzkirch zum Abendessen und ausführlichen Gedankenaustausch.

Vielen Dank für diese interessante Tagung an die Organisatoren Antonio Hautle und Franz Neff sowie der IPH für die Gastfreundschaft.

Dr. Jack Iseli, Vorstandsmitglied

Business-Lunch 25. April 2012: Wie kommt das Knowhow von der Forschung in die Wirtschaft?

Referent: Prof. Dr. Kurt Heiniger,
Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, Windisch

In der Schweiz gibt es Tausende von innovativen KMUs, welche sich mit einzelnen Produkten erfolgreich am internationalen Markt behaupten können. Oft leben diese Firmen von innovativen Ideen, welche von den «Pionieren» mit sehr viel Engagement erfolgreich umgesetzt wurden.

Angewandte Forschung als Trumpf

Nicht selten mangelt es aber am fundierten wissenschaftlichen Fachwissen, welches nötig ist, um nachhaltig an den internationalen Märkten bestehen zu können. Selbst mittelgrosse Firmen können es sich selten leisten, im Hinblick auf die benötigten Produkte der nächsten Generation eigene Forschungsabteilungen zu unterhalten.

In dieser Situation helfen Förderorganisationen des Bundes wie die KTI beim Brückenbau zwischen dem Hochschulwissen und den Forschungsbedürfnissen solcher Firmen. Den Fachhochschulen kommt hier eine bedeutende Rolle zu, weil sie dank ihrer Praxisnähe und Struktur in der Lage sind, KMUs mit angewandter Forschung und Entwicklung zu unterstützen.

Auch KMUs haben Potenzial zum Marktführer

Der Referent hat diesen «Brückenbau» an einzelnen Beispielen erläutert. Immer geht es dabei um kleine KMUs mit 20 bis 30 Mitarbeitenden. So wurde in einer 10jährigen Partnerschaft mit einem Maschinenbauer die Wasserstrahltechnologie weiterentwickelt, was heute ermöglicht, sämtliche Materialien (auch härteste) und Materialkombinationen mit höchster Präzision und rationell zu bearbeiten. Zusammen mit einer Firma, die aus einer innovativen Schreinerei entstand, wurde ein akustisches Raumelement aus Glas entwickelt, das trotz des harten Materials hervorragende Schalldämpfungseigenschaften besitzt - eine Weltneuheit, bis vor kurzem noch absolut undenkbar. Und mit einem Elektromaschinenbauer wird an der Entwicklung von sehr extrem schnell drehenden SpindelmMotoren gearbeitet; mit einer Umdrehungsgeschwindigkeiten im Bereich der Schallgeschwindigkeit von 350 m pro Sekunde (!) sind trotz kleiner Dimensionen sehr erstaunlich hohe Leistungsdichten möglich.

Vorteilhafte Verbindung zwischen Berufswelt und angewandter Forschung

In all diesen Fällen arbeiten innovative Unternehmer mit der FHNW zusammen und erreichen dank dieser Synergien marktführende Stellungen in ihrem Markt. ""Fachhochschulen sind dank ihrer Praxisnähe die natürlichen Forschungspartner der KMUs", so Prof. Heiniger. Denn 80 % der Studierenden haben eine abgeschlossene Berufslehre, was sich im Umgang mit den Unternehmen als grosser Vorteil erweist. "Wir sprechen die gleiche Sprache und verfügen mit diesem dualen Ausbildungssystem über einen fast unschlagbaren Vorteil", so Prof. Heiniger.
Viele der Projekte werden gemeinsam mit Unternehmen entwickelt, umgesetzt und finanziert.

Unternehmerisch ausgerichtet

Prof. Dr. K. C. Heiniger, 1948, trat nach seiner Promotion in Maschinenbau an der ETH Zürich ins Forschungszentrum der ABB in Dättwil ein. Nach seinem Übertritt von der Forschung in die Entwicklung leitete er die Aktivitäten in Aerodynamik und Thermodynamik bei der Dampfturbinenentwicklung. Seit seinem Übertritt zur Fachhochschule Aargau/Nordwestschweiz konnte er sich dank seiner langjährigen Erfahrung in vielen Projekten erfolgreich an diesem wichtigen «Brückenbau» (from science to market) engagieren. Heute leitet er das Institut für Thermo- und Fluidengineering mit ca. 40 Mitarbeitenden, davon 7 Professoren, welches vorwiegend in angewandter F&E und in der Lehre tätig ist. Die unternehmerische Sicht mit dem notwendigen "customer focus" ist dabei relevant und prägt das Verhalten des Institutes am Markt.

Business-Lunch vom 1. März 2012: 1 Jahr nach Fukushima – wie weiter mit der Kernenergie?

Zum Auftakt der diesjährigen Referatsreihe hatte die Vereinigung Christlicher Unternehmer (VCU) Aargau/Solothurn den Direktor und Kraftwerksleiter des Kernkraftwerks Leibstadt, Dr. Andreas Pfeiffer, als Referent geladen. Im Fokus stand die Katastrophe von Fukushima und deren Folgen für die Kernenergie der Schweiz. Der mit gegen 40 Personen sehr gut besuchte öffentliche Anlass fand in Aarau statt.

„Das Wasser war die Ursache, nicht das Erdbeben“, sagt Dr. Andreas Pfeiffer. Der Tsunami, der die japanische Küste eine Stunde nach dem Erdbeben der Stärke 9,0 traf, löste in der KKW-Anlage Fukushima mit 6 Blöcken eine verheerende Atomkatastrophe aus. Mit weitreichenden Folgen auch für uns: Deutschland und die Schweiz, als einzige Länder weltweit, beschlossen den Ausstieg aus der Kernenergie.

Grundlegender Unterschied zwischen Schweiz und Japan

Was passierte vor einem Jahr? Gemäss einer Analyse der schweizerischen Aufsichtsbehörde ENSI stehen folgende Fakten fest: Nach dem Erdbeben schalten alle Anlagen in Fukushima planmässig ab, die Notkühlung funktioniert. 1 Stunde nach dem Erdbeben trifft eine 15 Meter (!) hohe Welle auf die Küste und setzt die gesamte Anlage unter Wasser. Daraufhin versagen alle Notsysteme, die Kühlung setzt aus, in 3 Reaktoren kommt es zu einer Kernschmelze. Die unmittelbare Umgebung wird verseucht.

Ist das, was im Hightechland Japan passierte, auch in der Schweiz möglich?

„Die Fehler sind nicht nur technischer Natur, sondern vor allem kulturell bedingt“, sagt Pfeiffer. Die japanischen Betreiber hatten seit langem bekannte Fakten und Warnungen ignoriert, man weiss, dass es alle 30 Jahre einen Tsunami gibt, ein eigentliches Notfalltraining war nicht existent. Man unterschätzte Risiken massiv, liess Kritik im Unternehmen nicht zu. Das Gesicht vor allem der Vorgesetzten zu wahren, ist wichtiger als aus Fehlern zu lernen. Zudem: In Japan ist die Aufsichtsbehörde Teil des Wirtschaftsministeriums und somit nicht unabhängig.

Das alles steht in einem starken Kontrast zu den schweizerischen Verhältnissen. In der Schweiz steht die Unabhängigkeit der Aufsichtsbehörde niemals zur Debatte. Dass die Wirtschaftlichkeit vor der Sicherheit komme, werde in der Schweiz nicht in Frage gestellt. Man lernt sofort aus gemachten Fehlern, investiert laufend in die Sicherheit der KKW, spielt Notfälle regelmässig durch. Das Sicherheitsniveau in den schweizerischen Kernkraftwerken zählt zu den höchsten weltweit. Dennoch haben Bundesrat und Parlament im Mai 2011 den schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen.

Erneuerbare Energien decken den Strombedarf nicht

Seither spürt man auch im jüngsten und grössten Kernkraftwerk der Schweiz, dem KKW Leibstadt, Veränderungen: „Abgesehen von den behördlichen Verfügungen spüren wir seither ein viel
stärkeres Interesse der Oeffentlichkeit, letztes Jahr zählten wir 24'000 Besucher“, so Pfeiffer. Und obwohl die Betroffenheit der Mitarbeitenden gross ist, rechnet Pfeiffer mit ausreichendem Mitarbeiternachwuchs. „Probleme könnten allerdings auftauchen, weil es zu wenig Ingenieure gibt.“ In die laufende Erneuerung des KKW Leibstadt werden bis 2015 rund 600 Millionen Franken investiert. Das KKW Leibstadt gilt weltweit als Vorzeigeobjekt bezüglich Sicherheit.

Wie weiter mit der Stromversorgung?

„Ich bin nicht gegen erneuerbare Energien. Doch die Schweiz produziert bereits heute weitgehend CO2-freien Strom“, so Pfeiffer. Der Ausstieg aus der Kernenergie würde bedeuten, dass die Schweiz die Stromimporte ausbauen müsste. Dies könnte sich je nach Bezugsland auf die CO2-Bilanz und das Klima auswirken. Ausserdem sind erneuerbare Energien im Kostenvergleich viel teurer. Die Schweiz produziert heute im Vergleich zum europäischen Durchschnitt sehr günstigen Strom, in Deutschland beispielsweise ist der Preis ungefähr doppelt so hoch. Diese tiefen Kosten sind für unser Land ein wichtiger Standortvorteil. „Doch viel wichtiger ist, dass die erneuerbaren Energien niemals den Strombedarf werden decken können.“

Respekt, Fairness, Verantwortung

Mit Anlässen zu aktuellen Themen fördert die VCU den Erfahrungs- und Meinungsaustausch unter den Mitgliedern sowie mit Fachleuten und interessierten Gästen. Hauptfokus ist dabei das „Wirtschaften mit Werten“. Ziel der Vereinigung ist es, ihren Mitgliedern unternehmerische, gesellschaftliche und ethische Impulse zu vermitteln und dabei ihre Verantwortung im Umgang mit Gesellschaft und der Welt wahrzunehmen. Dies ganz nach dem Motto: „Respekt – Fairness – Verantwortung“.

Dr. Andreas Pfeiffer, Direktor und Kraftwerksleiter der Kernkraftwerk Leibstadt AG

Dr. Ing. Maschinenbau Andreas Pfeiffer war von 1993 bis 2005 tätig bei der Alstom Power AG, Baden/Schweiz, zuletzt als Leiter der Gasturbinenentwicklung GT26. 2006 Eintritt in die Kernkraftwerk Leibstadt AG und seit 1. Januar 2010 als Kraftwerksleiter verantwortlich. Dr. Andreas Pfeiffer, Jahrgang 1958, wohnt in Lauchringen, ist verheiratet und Vater von 3 Söhnen.


Kernkompetenz: Schliessen von Kreisläufen. Die Merz-Gruppe Gebenstorf.

Ökologisch nachhaltig, ökonomisch sinnvoll und sozial gerecht, das waren und sind seit Jahrzehnten wichtige Merkmale der langfristigen Unternehmensentwicklung bei der Merz-Gruppe in Gebenstorf, kantonal bedeutender Produzent der Bau- und Bauzulieferungsbranche. Wir erlebten einen hoch interessanten Business-Lunch am 25. August 2011.

Erfolgreiche Diversifikation

Merz steht für solide Qualität, wettbewerbsfähige Dienstleistungen und innovatives Unternehmertum. Die Kernkompetenz der Merz-Gruppe ist das Schliessen von Stoffkreisläufen: Rückbau- und Erdarbeiten – die Gewinnung von Erdwärme – Produktion von rebeton, Kies und Sand – Produkte für den Garten- und Landschaftsbau – Betrieb der Abfallsammelstelle «brings».

«Unsere Anstrengungen zielen auf die Erkennung und Abdeckung der Bedürfnisse der Kunden. Mit unseren Leistungen wollen wir sie tatkräftig in ihren Vorhaben unterstützen, ganz nach unserem Leitspruch «Merz bringt Bewegung ins Geschäft».

Weniger Bürokratie

Die Zuhörer spürten bei Thomas Merz einen starken Glauben an sich selbst und an die Zukunft dieses schon fast mustergültigen KMU. Befragt nach den grössten Herausforderungen der Zukunft, wies Merz darauf hin, dass die goldenen Zeiten der sechziger, siebziger Jahre wirklich vorbei seien. Markt, Kosten, Technologien prägen heute das Geschäft auch in dieser Branche. Es brauche künftig einen gewissen Gestaltungsfreiraum und gleichzeitig einen Abbau der doch umfangreichen und tendenziell zunehmenden Bürokratie.


Ein CEO, der am Sitz seiner Firma wohnt

Thomas Merz, geboren 1972, durfte von Grund auf in die Branche und die Unternehmung hineinwachsen und führt heute die Merz-Gruppe in vierter Generation. Nach einer rasanten Entwicklung in den letzten 12 Jahren, in einem sich stark wandelnden, aber traditionellen Markt, zählt die Unternehmung heute rund 80 Mitarbeitende.

Merz ist Mitglied der Fachkommission Umwelt des Fachverbandes der Schweizerischen Kies- und Betonindustrie sowie Vorstandsmitglied des Verbands der Kies- und Betonproduzenten Aargau. Er ist wohnhaft in Gebenstorf.


Business-Lunch vom 22. Februar 2011: Die Krankenversicherung im politischen Umfeld

Zum Auftakt der diesjährigen Referatsreihe der Vereinigung Christlicher Unternehmer (VCU) Regionalgruppe Aargau/Solothurn referierte Dieter Boesch, CEO der Badener Aquilana Versicherungen und Vizepräsident der santésuisse, pointiert über die Entwicklung der Krankenversicherer im politischen Umfeld. Er sprach über das Zusammenspiel der politischen Entscheidungsträger und beleuchtete am Beispiel «Solidarität» die Zukunftsperspektiven im brisanten Umfeld der Krankenversicherung.

Die Prämien steigen, die Zufriedenheit der Kunden sinkt. Die finanzielle Situation der Krankenkassen reisst teilweise tiefe Löcher ins Portemonnaie der Schweizer Bevölkerung. Doch wer denkt bei der monatlichen Rechnungszahlung schon daran, wie komplex die ganze Preispolitik in der Krankenversicherungsbranche ist?

Die Solidarität nicht untergraben

In seinem Referat in Aarau erklärte Dieter Boesch unter anderem, welche Akteure auf die Preispolitik Einfluss nehmen oder was das seit 1. Januar 1996 geltende Krankenversicherungsgesetz KVG regelt. Wie funktioniert die Schnittstelle zwischen Krankenversicherungsgesetz und Versicherungsvertragsgesetz? Wer beaufsichtigt die Krankenversicherungen? Sind freiwillige Zusatzversicherungen noch sinnvoll? Die künftigen Entwicklungen werden auch dieses Jahr heftige Debatten auslösen. Besonders appelliert Boesch an die Solidarität, auf deren Gedanken die Krankenversicherung letztlich basiert: Solidarität zwischen Frauen und Männern, zwischen Gesunden und Kranken und zwischen Jungen und Alten. Das durch steigende Prämien bedingte Begehrlichkeitsdenken treibt die Kosten zusätzlich in die Höhe. Diese müssen dann wiederum mittels Prämien finanziert werden – ein Teufelskreis.

Boesch plädiert für mehr Eigenverantwortung, damit das gut ausgebaute Krankenversicherungssystem nicht ausgehöhlt wird. Von einer Einheitskasse rät er dringend ab. Rege Diskussionen und kritische Fragen gab es dementsprechend auch im Anschluss an das Referat. Dieter Boesch erwies sich als sachkundiger, überzeugender Profi auf dem Gebiet der Krankversicherung.

Gelungener Auftakt zu einem spannenden VCU-Jahr 2011

Mit Anlässen wie diesem zu aktuellen Themen aus den Bereichen Glaube, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft fördert die VCU den Erfahrungs- und Meinungsaustausch unter den Mitgliedern sowie mit Fachleuten und interessierten Gästen. Hauptfokus ist dabei der Gedanke «Unternehmer für Unternehmer» mit dem Inhalt «Wirtschaften mit Werten». Ziel der Vereinigung ist es, ihren Mitgliedern unternehmerische, gesellschaftliche und ethische Impulse zu vermitteln und dabei ihre Verantwortung im Umgang mit Gesellschaft und der Welt wahrzunehmen.


Dieter Boesch, CEO und VR-Präsident Aquilana-Versicherungen, Baden:

Entstanden aus der einstigen BBC-Betriebskrankenkasse, hat sich die Aquilana Versicherungen zu einer der grössten im Aargau ansässigen Kranken- und Unfallversicherung entwickelt. „Sicherheit vor Rendite“, nach diesem soliden Motto führt Dieter Boesch seit Jahren das vor allem in den Kantonen Aargau und Zürich stark verwurzelte Unternehmen. Dieter Boesch, geboren 1954, ist schweizweit mit der Branche stark vernetzt. So ist er VR-Mitglied in zahlreichen Organisationen und vertritt die kleineren und mittleren Krankenversicherer im Branchenverband santésuisse; hier wurde er 2009 zum Vizepräsidenten gewählt und leitet den wichtigen Finanzausschuss. Dieter Boesch wohnt in Brugg.


Abendveranstaltung: Einkaufen rund um die – ein Blick hinter die Kulissen des neu gebauten Bahnhofs Aarau

Gegen 40 Personen haben sich am Dienstagabend, 29. März 2011, im neuen Bahnhof Aarau inspirieren lassen:

Das Geschäftsmodell «Einkaufen rund um die Uhr» machte grossen Eindruck. Referate über die Strategie und ersten betrieblichen Erfahrungen von Coop sowie die Hintergründe rund um die Immobilie bildeten den Boden für die anschliessende Besichtigung.

Die 1. realisierte Bauetappe umfasst 9 Geschosse mit gesamthaft 18'500 m2 Nutzfläche. Das Gebäude ist über 200 m lang. Die Investitionssumme betrug CHF 114 Mio.
Bemerkenswert: Am Bahnhof hängt die grösste Bahnhofuhr in Europa mit Sekundenzeiger.

Die 2. Etappe mit noch einmal 12'000 m2 Nutzfläche für CHF 55 Mio. wird ab 2012 realisiert.

Ein interessanter Abend!